Steiermark: Tausende Schüler verzichten auf ihr Handy – Projekt 2026

In der Steiermark machen 11.661 Schüler:innen bei einem österreichweiten Handy-Verzicht mit: Von 4. März bis 24. März 2026 heißt es für viele „Smartphone aus“.

Österreichweit sind es laut ORF rund 72.000 angemeldete Schüler:innen. Organisiert wird das Projekt von ORF Dok 1 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung; wissenschaftlich begleitet wird es u. a. vom Anton Proksch Institut und der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.

In der Steiermark sind unter anderem die Ortweinschule Graz und die MedienHAK Graz dabei. Hintergrund: Viele Jugendliche verbringen laut Berichten teils bis zu 10 Stunden täglich am Handy – das Projekt soll helfen, die eigene Nutzung zu hinterfragen und alltagstaugliche Alternativen zu finden.

Das Wichtigste auf einen BlickSchnell erklärt
Teilnehmer:innen Steiermark11.661 angemeldete Schüler:innen
Zeitraum04.03.2026 bis 24.03.2026 (3 Wochen)
Österreichweitrund 72.000 Anmeldungen
Wer organisiert?ORF Dok 1 + Bundesministerium für Bildung
Wissenschaftliche BegleitungAnton Proksch Institut + Sigmund Freud PrivatUniversität Wien
Was wird erhoben?u. a. Schlaf, Stress, Wohlbefinden, Online-Gewohnheiten (anonym)
VariantenKomplett-Verzicht, Kontrollgruppe und Light-Modus (Reduktion/Apps einschränken)
Ergebnis im TVDOK1-Auswertung geplant Ende Mai 2026

Warum verzichten so viele steirische Schüler:innen auf ihr Handy?

Der Satz „Tausende Schüler verzichten auf ihr Handy“ klingt zuerst nach Verbot. In Wahrheit ist es ein freiwilliges Experiment, das auf einem einfachen Gedanken beruht: Wer seine Nutzung nur „ungefähr“ einschätzt, unterschätzt oft, wie stark das Smartphone den Tag strukturiert.

In vielen Klassen ist das Handy nicht nur Kommunikationsmittel, sondern auch Musikplayer, Spielkonsole, Nachrichtenfeed, Lernhilfe, Kamera und Dauerbegleiter. Genau diese Mischung macht es so schwer, Grenzen zu setzen.

Das Projekt will daher nicht moralisch belehren, sondern Erfahrung ermöglichen: Wie verändert sich der Alltag, wenn Social Media, Messenger-Dauerping und ständiges „Kurz nachschauen“ wegfallen? Was passiert mit Konzentration, Schlaf, Stimmung und dem Gefühl von Stress? Und welche Alternativen funktionieren realistisch – gerade in der Steiermark, wo viele Schüler:innen nachmittags pendeln, Sport machen oder Nebenjobs haben?

So läuft das Handyexperiment 2026 ab

1) Der Ursprung: Warum das Experiment überhaupt existiert

Ausgangspunkt war ein Schulprojekt in Gänserndorf (Niederösterreich) im April 2025: Dort verzichteten 69 Schüler:innen auf Initiative des Lehrers Fabian Scheck drei Wochen lang auf das Smartphone. Die Erfahrungen wurden später in einer ORF-Dok 1 dokumentiert und haben so viele Reaktionen ausgelöst, dass daraus die österreichweite Neuauflage entstand.

2) Drei Wege, die Teilnahme realistisch zu machen

Damit das Experiment für unterschiedliche Lebensrealitäten funktioniert, gibt es mehrere Zugänge. Neben dem kompletten Verzicht gibt es eine Kontrollgruppe (Handy bleibt, aber man macht bei Befragungen mit) und einen Light-Modus, bei dem nicht „alles oder nichts“ gilt, sondern Screen-Time und besonders „ziehende“ Apps konsequent reduziert werden. Das ist wichtig, weil nicht jede:r Jugendliche dieselben Pflichten hat (z. B. Verein, Job, Pflege in der Familie, Fahrkarten-Apps).

3) Was genau wird dabei wissenschaftlich beobachtet?

Die Begleitung ist nicht nur „gefühlte Erfahrung“, sondern wird über anonyme Fragebögen erfasst. Laut Projektinfos werden u. a. Wohlbefinden, Stimmung, Schlaf (z. B. mit einem Insomnia-Index), Stress und Internet-Gewohnheiten abgefragt. Das Ziel ist, Veränderungen über die drei Wochen sichtbar zu machen – und nicht nur einzelne Anekdoten zu sammeln.

4) Was bedeutet das in der Steiermark konkret?

In steirischen Schulen ist die Situation oft sehr praktisch: Viele Jugendliche brauchen das Handy für Organisation (Fahrpläne, Gruppenabsprachen, Schularbeiten-Planung). Gerade deshalb kann das Projekt hilfreich sein, weil es zwingt, Ersatzstrategien zu bauen: fixe Treffpunkte statt dauerndem Chat, analoge Wochenpläne, Musik offline, Lernmaterial vorab ausdrucken oder am Laptop nutzen – und bewusst Zeiten ohne Bildschirm einzuplanen.

5) Typische Hürden und wie Klassen sie lösen

  • Erreichbarkeit: Klare Regeln für Eltern/Trainer:innen (z. B. „Anrufe über Schulsekretariat“ oder „ein Fixtelefon zuhause“).
  • Pendeln/Öffi-Tickets: Wer Tickets am Handy nutzt, braucht vorab eine Lösung (Papier-Ticket, Chipkarte, Ausdruck, Alternativnachweis).
  • Langeweile am Nachmittag: Nicht „durchhalten um jeden Preis“, sondern Aktivitäten planen: Sport, Treffen, Kochen, Lesen, Basteln, Spaziergänge.
  • Gruppendruck: Vereinbaren, dass Freund:innen im gleichen Zeitraum nicht ständig schreiben – sonst wird es unfair schwer.

6) Was das Projekt bringen kann

Der größte Effekt ist oft nicht, dass man „nie wieder“ Social Media nutzt, sondern dass man neue Kontrolle gewinnt: Viele merken erst ohne Handy, wie stark Pushs, Dauerschleifen und Vergleiche auf Social Media die Stimmung beeinflussen. Gleichzeitig berichten Fachleute aus dem Umfeld des Projekts, dass digitale Pausen messbar mit besserem Wohlbefinden und weniger depressiven Symptomen zusammenhängen können – vor allem, wenn sich Gewohnheiten danach dauerhaft verändern (z. B. Handy aus dem Schlafzimmer, weniger Apps, fixe Offline-Zeiten).

Expert:innen-Meinungen zum Thema Smartphone Verzicht und Projekt

Expert:inAussage mit Kontext
Lisa Gadenstätter (ORF Dok 1)ORF-Unternehmensmeldung vom 08.01.2026: Sie beschreibt das Projekt als Möglichkeit, über echte Selbsterfahrung zu sehen, was Smartphone-Verzicht im Alltag verändert – und dankt Lehrkräften für die Begleitung.
Oliver Scheibenbogen (Anton Proksch Institut)ORF-Unternehmensmeldung vom 08.01.2026 und ORF Wien Bericht vom 22.02.2026: Er ordnet das Handyexperiment als Selbsterfahrung ein und berichtet von messbaren Verbesserungen beim Wohlbefinden in Projekten rund um Handy-/Social-Media-Verzicht.
Michael Musalek (SFU Wien)ORF-Unternehmensmeldung vom 08.01.2026 und ORF Wien Bericht vom 22.02.2026: Er betont, dass reine Verbote zu kurz greifen, und dass Daten und Verständnis nötig sind, um kompetenten Umgang zu lernen.
Christoph Wiederkehr (Bildungsminister)ORF-Unternehmensmeldung vom 08.01.2026: Er unterstützt das Projekt, weil es die Wirkung von Smartphones sichtbar macht und in Schule/Peer-Gruppe reflektiert werden kann.
Lisa Totzauer (ORF)ORF-Unternehmensmeldung vom 08.01.2026: Sie beschreibt das Experiment als öffentlich-rechtlichen Beitrag, der jungen Menschen Reflexion durch Erfahrung ermöglicht.
Roland Mader (Anton Proksch Institut)ORF Wien Bericht vom 22.02.2026 (Symposium an der SFU): Er ordnet die gesellschaftliche Dimension ein (weltweite Verbreitung, Suchtbegriff in Entwicklung) und warnt vor unterschätzten Risiken.
Fabian Scheck (Lehrer, KLG Gänserndorf)BMB-Infoseite und Handyexperiment-Plattform: Er initiierte das Schulprojekt April 2025 und steht heute als Ansprechpartner/Lehrerrolle für die breite Umsetzung des Experiments.
Bundesministerium für BildungBMB-Infoseite (Stand 2026): Bestätigt die wissenschaftliche Begleitung und nennt als Forschungsfokus u. a. Schlafqualität, Stresslevel und subjektives Wohlbefinden; DOK1-Ausstrahlung Ende Mai 2026 geplant.
ORF Steiermark (Redaktion)Bericht vom 04.03.2026: Nennt die steirischen Anmeldungen (11.661), beteiligte Schulen und beschreibt, dass teils extrem hohe tägliche Nutzungszeiten (bis 10 Stunden) ein Motiv für den Verzicht sind.
SFU Wien (Symposium-Programm)SFU-Eventseite vom 21.02.2026: Dokumentiert den fachlichen Rahmen (Vorträge zu Diagnostik, Prävention/Behandlung und erste empirische Daten zur Handy-Sucht bei Schüler:innen).

Tipps für Eltern und Lehrkräfte in der Steiermark – Notfallkanal & Tipps

  • Ein klarer Notfallkanal: Vereinbart vorab, wie Eltern ihr Kind erreichen (z. B. über Schule, Festnetz, fixe Zeiten).
  • Handyfreie Zonen statt „Heldentum“: Selbst wenn nicht alle komplett verzichten, sind Regeln hilfreich: kein Handy im Schlafzimmer, keine Nutzung beim Essen, Pushs aus.
  • Offline-Plan für die Nachmittage: Wer nach der Schule „nichts vorhat“, greift schneller zum Handy. Plant bewusst 2–3 fixe Aktivitäten pro Woche.
  • Gemeinsame Reflexion: Kurze Klassenrunden: Was war heute schwer? Was hat überrascht? Welche Alternative hat funktioniert?
  • Nach dem Experiment Regeln behalten: Viele Effekte verpuffen, wenn am Tag 22 alles wieder wie vorher läuft. Besser: 2–3 Regeln auswählen, die bleiben dürfen.

FAQ

Warum verzichten gerade in der Steiermark so viele Schüler:innen auf ihr Handy?

Weil das Projekt schulisch gut organisierbar ist und viele Jugendliche selbst merken, dass das Handy ihren Alltag stark steuert. In der Steiermark wurden 11.661 Anmeldungen gemeldet. Die Motivation reicht von „weniger Stress“ über „besser schlafen“ bis hin zu dem Wunsch, Social Media bewusster zu nutzen.

Ist das ein Handyverbot in der Schule?

Nein. Es ist ein freiwilliges Experiment im Klassenverband. Es geht nicht um Strafen, sondern um Selbsterfahrung und Reflexion – begleitet von Schule, Eltern und wissenschaftlichen Befragungen.

Was ist, wenn mein Kind wegen Öffi-Tickets oder Sicherheit erreichbar sein muss?

Dann braucht es eine vorher geplante Lösung: Ausdruck, Karte, Alternativnachweis oder ein organisatorischer Weg über Schule/Eltern. Das Experiment ist so aufgebaut, dass es auch Varianten wie Kontrollgruppe oder Light-Modus gibt, wenn kompletter Verzicht nicht realistisch ist.

Was ist der Light-Modus und für wen ist er sinnvoll?

Der Light-Modus ist für Jugendliche sinnvoll, die nicht komplett offline sein können oder wollen. Statt „0 Handy“ werden besonders ablenkende Apps deaktiviert, die Screen-Time stark reduziert und eine klare Tagesgrenze vereinbart. Das Ziel bleibt gleich: mehr Kontrolle und weniger Stress.

Was wird wissenschaftlich untersucht?

Untersucht werden laut Projektinfos und BMB u. a. Veränderungen bei Schlaf, Stress und Wohlbefinden. Dafür werden anonyme Fragebögen eingesetzt, teils zu Stimmung, Schlafqualität und Internet-Gewohnheiten.

Welche positiven Effekte sind realistisch?

Viele berichten von mehr Ruhe, besserem Schlaf und weniger Vergleichsdruck durch Social Media. Fachleute aus dem Umfeld des Projekts sprechen außerdem von messbaren Verbesserungen beim Wohlbefinden, wenn sich die Nutzung dauerhaft reduziert – zum Beispiel durch weniger Bildschirmzeit am Abend.

Was sind die häufigsten Stolpersteine?

Meist sind es Langeweile, Gruppendruck („alle anderen schreiben doch“), fehlende Alternativen und unklare Notfallregeln. Wer diese Punkte vorab klärt, macht das Durchhalten deutlich leichter.

Wann werden Ergebnisse veröffentlicht?

Laut ORF und BMB ist eine neue DOK1-Ausgabe mit Auswertung und Begleitung Ende Mai 2026 geplant.

Quellen und weitere Informationen

  • ORF Steiermark (04.03.2026): Steirische Teilnehmerzahl (11.661), Zeitraum, beteiligte Schulen, Hintergrund zur Nutzung (bis zu 10 Stunden). URL: https://steiermark.orf.at/stories/3344306/
  • ORF Unternehmen (08.01.2026): Projektbeschreibung (4.–24. März 2026), Zielsetzung, wissenschaftliche Begleitung, Zitate von Gadenstätter/Scheibenbogen/Musalek/Wiederkehr/Totzauer, geplante Ausstrahlung Ende Mai 2026. URL: https://der.orf.at/unternehmen/aktuell/3wochen_ohne_smartphone100.html
  • Bundesministerium für Bildung – BMB (Stand 2026): Hintergrund (April 2025, 69 Schüler:innen), wissenschaftliche Begleitung, Untersuchungsfelder (Schlaf, Stress, Wohlbefinden), Ausstrahlung Ende Mai 2026. URL: https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/schulpraxis/pwi/pa/3_wochen-ohne-smartphone.html
  • Handyexperiment.at (Projektseite, Stand 2026): Ablauf (Start/Ende, Befragungen, Rollen), Kontrollgruppe/Light-Modus, Beispiele für Fragebögen (Wohlbefinden, Schlaf, Internet-Gewohnheiten), Projektpartner. URL: https://www.handyexperiment.at/
  • ORF Tirol (03.03.2026): Ergänzende Infos zu Kontrollgruppe und Light-Variante. URL: https://tirol.orf.at/stories/3344214/
  • ORF Wien (22.02.2026): Symposium-Aussagen (Anton Proksch Institut/SFU) zu Effekten von Handy-/Social-Media-Verzicht und Hintergründen (Schlaf, Wohlbefinden, Nutzungsmuster). URL: https://wien.orf.at/stories/3342931/
  • Sigmund Freud PrivatUniversität Wien (21.02.2026): Symposiumprogramm (Vorträge zu Diagnostik, Prävention/Behandlung, erste empirische Daten). URL: https://www.sfu.ac.at/de/event/symposium-2026-handy-sucht-schreckgespenst-oder-geisel-unserer-zeit/
  • ORF ON (Sendung 2025 als Ausgangspunkt): Dokumentation „Drei Wochen Handy-Entzug – Das Experiment“ (Ausstrahlung 10.09.2025). URL: https://on.orf.at/video/14290303/dok-1-drei-wochen-handy-entzug-das-experiment
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