Wer eine wissenschaftliche Arbeit schreibt – ob Fachbereichsarbeit, Seminararbeit oder Bachelorarbeit – steht früher oder später vor derselben Herausforderung: Wie übernimmt man fremde Gedanken korrekt, ohne in die Plagiats-Falle zu tappen? Das richtige Zitieren gehört zu den grundlegenden Techniken wissenschaftlichen Arbeitens und wird an Schulen und Hochschulen in Österreich unterschiedlich streng geprüft.
Die gute Nachricht: Die Grundregeln sind erlernbar und logisch aufgebaut. Wer einmal verstanden hat, warum Quellenangaben notwendig sind und wie direktes Zitat, Paraphrase und Quellenbeleg zusammenhängen, macht deutlich weniger Fehler – und wirkt in seiner Arbeit auch inhaltlich souveräner.
Diese Checkliste führt Schritt für Schritt durch die wichtigsten Regeln und häufigsten Stolperstellen. Sie eignet sich als Begleitung beim Schreiben, als Kontrolle vor der Abgabe oder als Einstieg für alle, die das Thema bisher noch nicht systematisch durchgearbeitet haben.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen direktem Zitat und Paraphrase?
Beim direkten Zitat wird ein Textstück wortwörtlich aus der Quelle übernommen. Es steht in Anführungszeichen und muss zeichengenau mit dem Original übereinstimmen – einschließlich Schreibfehlern im Original, die mit dem Zusatz [sic] gekennzeichnet werden. Nach dem schließenden Anführungszeichen folgt die Quellenangabe.
Die Paraphrase gibt den Gedanken einer Quelle in eigenen Worten wieder. Sie steht nicht in Anführungszeichen, braucht aber trotzdem eine Quellenangabe – denn der Gedanke selbst stammt von jemand anderem. Dieser Punkt wird besonders häufig übersehen: Auch umformulierte Inhalte sind keine eigene Leistung, solange sie aus einer bestimmten Quelle stammen.
Direkte Zitate sollten sparsam eingesetzt werden. Sie sind dann sinnvoll, wenn die genaue Formulierung wichtig ist – etwa bei Definitionen, zentralen Thesen oder juristischen Texten. In allen anderen Fällen ist die Paraphrase die elegantere Lösung.
Checkliste: Direkte Zitate richtig einsetzen
- Das Zitat steht vollständig in Anführungszeichen.
- Der zitierte Text stimmt zeichengenau mit dem Original überein.
- Auslassungen innerhalb des Zitats werden mit eckigen Klammern und drei Punkten gekennzeichnet: […]
- Eigene Einfügungen zur Verständlichkeit stehen ebenfalls in eckigen Klammern: [Anmerkung des Verfassers]
- Fehler im Original werden nicht stillschweigend korrigiert, sondern mit [sic] markiert.
- Hervorhebungen, die im Original nicht vorhanden sind, werden als solche kenntlich gemacht: z. B. [Herv. d. Verf.]
- Nach dem Zitat folgt sofort die Quellenangabe im vorgeschriebenen Format.
- Das Zitat ist in den eigenen Text eingebettet und wird kurz kommentiert oder kontextualisiert.
- Direkte Zitate machen nicht mehr als 10 bis 15 Prozent des Gesamttexts aus.
Checkliste: Paraphrasen korrekt formulieren
- Der Gedanke ist wirklich in eigenen Worten formuliert – nicht nur einzelne Begriffe ausgetauscht.
- Der Sinn der Originalquelle wurde nicht verändert oder verkürzt.
- Die Paraphrase steht nicht in Anführungszeichen.
- Am Ende der Paraphrase (oder am Beginn) steht eine Quellenangabe.
- Bei längeren paraphrasierten Abschnitten wird klar erkennbar, wo die fremde Quelle beginnt und endet.
- Die Formulierung vgl. (vergleiche) wird der Seitenangabe vorangestellt, wenn der Inhalt sinngemäß wiedergegeben wird.
Welche Zitierformate werden in Österreich verwendet?
Es gibt kein einheitliches Zitierformat, das in ganz Österreich verpflichtend ist. Schule und Hochschule schreiben meist ein bestimmtes System vor – oder lassen den Lernenden die Wahl, sofern das Format konsequent durchgehalten wird.
Verbreitet sind vor allem drei Systeme:
- APA-Stil (American Psychological Association): häufig in Sozial-, Bildungs- und Naturwissenschaften; Quellenangabe im Text als Kurzbeleg mit Autor, Jahr und Seite, z. B. (Müller, 2023, S. 45)
- Chicago-Stil: verbreitet in Geistes- und Kulturwissenschaften; wahlweise als Fußnotenbeleg oder als Autor-Jahr-System
- MLA-Stil: in Sprach- und Literaturwissenschaften; Kurzbeleg im Text mit Autorname und Seitenangabe ohne Komma, z. B. (Müller 45)
Welches Format jeweils erwartet wird, steht meist im Leitfaden der Schule, des Instituts oder in der Aufgabenstellung. Im Zweifel immer bei der Lehrperson oder Betreuungsperson nachfragen – bevor die Arbeit fertiggestellt ist, nicht danach.
Checkliste: Quellenangaben vollständig und korrekt angeben
Eine vollständige Quellenangabe enthält je nach Quellentyp unterschiedliche Pflichtinformationen. Die folgende Übersicht zeigt die häufigsten Fälle:
Monografie (Buch mit einem oder mehreren Autoren)
- Nachname, Vorname (oder Initialen je nach Format)
- Erscheinungsjahr
- Titel und Untertitel des Werks
- Auflage (falls nicht die erste)
- Verlag und Erscheinungsort
Beitrag in einem Sammelband
- Autor des Beitrags
- Titel des Beitrags
- Herausgeber des Sammelbands (mit dem Zusatz Hrsg.)
- Titel des Sammelbands
- Verlag, Erscheinungsort, Jahr
- Seitenangabe des Beitrags im Band
Wissenschaftlicher Zeitschriftenartikel
- Autor, Erscheinungsjahr
- Titel des Artikels
- Name der Zeitschrift
- Jahrgang und Heft
- Seitenbereich
- DOI oder URL, sofern verfügbar
Onlinequelle
- Autor oder Organisation
- Titel der Seite oder des Dokuments
- URL (vollständig)
- Zugriffsdatum (da Onlineinhalte sich ändern können)
- Erscheinungs- oder Aktualisierungsdatum, wenn vorhanden
Welche Fehler passieren beim Zitieren am häufigsten?
- Paraphrasen ohne Quellenangabe: Der häufigste Fehler überhaupt. Auch sinngemäß übernommene Gedanken brauchen einen Beleg.
- Unvollständige Belege: Fehlende Seitenangaben, unvollständige Autorennamen oder fehlende Erscheinungsjahre machen Quellen nicht nachvollziehbar.
- Inkonsistentes Format: Mal APA, mal Fußnote, mal Chicago – ein Zitierformat muss von der ersten bis zur letzten Seite einheitlich bleiben.
- Sekundärzitate ohne Kennzeichnung: Wer eine Quelle zitiert, die selbst aus einer anderen Quelle zitiert, muss das kenntlich machen – etwa mit dem Zusatz zit. nach.
- Zu lange direkte Zitate: Ein Blockzitat von einer halben Seite ersetzt keine eigene Analyse. Direkte Zitate sollen eine eigene Argumentation stützen, nicht ersetzen.
- Falsche Zeichensetzung: Im deutschen Sprachraum stehen Anführungszeichen unten und oben: „Zitat“. Im englischen Stil wird oft auf geschweifte Anführungszeichen verzichtet – das Format der Einrichtung gibt vor, welches korrekt ist.
Abschlusskontrolle vor der Abgabe
- Jedes direkte Zitat steht in Anführungszeichen und hat eine Quellenangabe.
- Jede Paraphrase hat eine Quellenangabe, auch ohne Anführungszeichen.
- Das Literaturverzeichnis enthält alle im Text zitierten Quellen – und nur diese.
- Das verwendete Zitierformat ist im gesamten Dokument einheitlich.
- Alle Seitenangaben wurden mit der Originalquelle abgeglichen.
- Onlinequellen haben ein Zugriffsdatum.
- Sekundärzitate sind als solche gekennzeichnet.
- Die Arbeit wurde auf versehentliche Übernahmen überprüft – entweder manuell oder mit einem Plagiatsprüfungstool.
Häufige Fragen zum Thema
Muss ich auch dann zitieren, wenn ich etwas aus einem Schulbuch übernehme?
Ja. Auch Schulbücher sind urheberrechtlich geschützte Werke und müssen wie jede andere Quelle belegt werden. Das gilt sowohl für wörtliche Übernahmen als auch für sinngemäß übernommene Inhalte.
Was ist ein Sekundärzitat und wann darf ich es verwenden?
Ein Sekundärzitat liegt vor, wenn man eine Quelle zitiert, die man nicht im Original gelesen hat, sondern nur durch eine andere Quelle kennt. Es sollte möglichst vermieden werden – im Idealfall sucht man das Originalwerk. Ist das nicht möglich, kennzeichnet man das Sekundärzitat mit dem Zusatz zit. nach und gibt beide Quellen an.
Wie viele Quellen brauche ich für eine Schularbeit oder Seminararbeit?
Eine verbindliche Mindestzahl gibt es meist nicht – das hängt von der Aufgabenstellung und dem Umfang der Arbeit ab. Wichtig ist, dass die verwendeten Quellen qualitativ hochwertig, nachvollziehbar und thematisch relevant sind. Für wissenschaftliche Arbeiten gilt: Qualität geht vor Quantität.
Was ist der Unterschied zwischen Literaturverzeichnis und Quellenverzeichnis?
Im engeren Sinn listet ein Literaturverzeichnis nur schriftliche Quellen wie Bücher und Artikel. Ein Quellenverzeichnis ist weiter gefasst und kann auch Onlinequellen, Gesetze, Statistiken, Interviews oder andere Materialien umfassen. Welcher Begriff und welche Einteilung verwendet werden, hängt von den Vorgaben der Schule oder Hochschule ab.
Gilt das Zugriffsdatum bei Onlinequellen wirklich als Pflichtangabe?
In den meisten Zitierformaten – darunter APA und Chicago – wird das Zugriffsdatum bei Onlinequellen empfohlen oder verlangt, weil Webseiten jederzeit verändert oder gelöscht werden können. Es dokumentiert, welchen Stand der Quelle man beim Schreiben vorgefunden hat. Im Zweifel immer angeben.
Kann ich Wikipedia als Quelle verwenden?
Wikipedia ist als Einstieg zum Überblick hilfreich, gilt in wissenschaftlichen Arbeiten aber in der Regel nicht als zitierfähige Quelle – da Inhalte von unbekannten Autoren verfasst und jederzeit geändert werden können. Besser: die in Wikipedia genannten Originalquellen suchen, prüfen und direkt zitieren.
Angaben ohne Gewähr.













