Wer eine Seminararbeit, Bachelorarbeit oder Matura-Vorwissenschaftliche Arbeit schreibt, steht früher oder später vor derselben Herausforderung: Wie übernehme ich Inhalte aus anderen Quellen, ohne ein Plagiat zu begehen? Gerade in der Schule und im Studium ist das Thema Plagiat ernster zu nehmen als viele zunächst denken – denn auch unabsichtliche Übernahmen ohne korrekte Quellenangabe können als Täuschungsversuch gewertet werden.
Dabei geht es nicht nur darum, wörtliche Zitate richtig zu kennzeichnen. Ein Plagiat entsteht auch dann, wenn fremde Gedanken sinngemäß übernommen werden, ohne die Quelle zu nennen. Viele Schülerinnen, Schüler und Studierende wissen das nicht genau genug – und riskieren damit im schlimmsten Fall die Annullierung ihrer Arbeit.
Die folgende Checkliste hilft dabei, systematisch vorzugehen: von der Quellenprüfung über das korrekte Paraphrasieren bis hin zur Nutzung von Plagiatsprüfungs-Tools. So lässt sich sicher und sauber wissenschaftlich arbeiten – in der Schule genauso wie an der Universität oder Fachhochschule.
Was gilt überhaupt als Plagiat?
Ein Plagiat liegt vor, wenn geistiges Eigentum einer anderen Person als eigene Leistung ausgegeben wird – bewusst oder unbewusst. Dabei unterscheidet man verschiedene Formen: das vollständige Kopieren ohne Quellenangabe, das sogenannte Paraphrasenplagiat (sinngemäße Übernahme ohne Nachweis), das Strukturplagiat (Übernahme des Aufbaus oder der Argumentation) sowie das Übersetzungsplagiat bei fremdsprachigen Quellen.
Besonders heimtückisch ist das unbeabsichtigte Plagiat: Wer beim Schreiben nicht sauber zwischen eigenen Gedanken und gelesenen Inhalten trennt, kann im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen, was von wem stammt. Deshalb beginnt Plagiatvermeidung nicht beim Schreiben, sondern bereits beim Lesen und Notieren.
Checkliste: Quellen sorgfältig prüfen
Bevor eine Quelle verwendet wird, sollte sie auf Qualität und Verlässlichkeit geprüft werden. Nicht jede Information aus dem Internet ist zitierfähig – und manche Quellen sind für wissenschaftliche Arbeiten grundsätzlich ungeeignet.
- Ist die Autorin oder der Autor klar erkennbar und fachlich qualifiziert?
- Handelt es sich um eine seriöse Publikation (Fachzeitschrift, Verlag, wissenschaftliche Institution)?
- Ist das Erscheinungsdatum bekannt und die Information aktuell genug?
- Gibt es Belege, Nachweise oder ein Literaturverzeichnis in der Quelle selbst?
- Sind Wikipedia-Einträge oder ähnliche kollaborative Texte nur als Einstieg genutzt, nicht als zitierfähige Quelle?
- Wurden bei Internetquellen URL und Zugriffsdatum notiert?
- Wurden Primärquellen dort aufgesucht, wo das möglich und sinnvoll ist?
- Sind die Quellen ausgewogen – also nicht ausschließlich aus einer einzigen Perspektive?
Checkliste: Korrekt mitschreiben und Exzerpte anlegen
Viele Plagiate entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus unordentlichen Notizen. Wer beim Lesen keine klare Trennung zwischen wörtlichen Übernahmen und eigenen Zusammenfassungen macht, verliert den Überblick. Eine sorgfältige Exzerpt-Technik hilft.
- Wörtliche Zitate sofort als solche kennzeichnen – zum Beispiel in Anführungszeichen im Notizdokument
- Seitenangabe und vollständige Quellenangabe direkt beim Exzerpt notieren, nicht erst später
- Eigene Gedanken, Kommentare und Fragen klar von übernommenen Inhalten trennen – etwa durch farbliche Markierung oder ein eigenes Symbol
- Keine Textpassagen einfach kopieren, ohne sie gleichzeitig zu kennzeichnen
- Zusammenfassungen sofort in eigenen Worten formulieren, nicht als Rohkopie ablegen
- Für jede verwendete Quelle einen eigenen Literatureintrag anlegen – von Anfang an, nicht am Ende
Wie paraphrasiert man richtig?
Paraphrasieren bedeutet, den Inhalt einer fremden Aussage in eigenen Worten wiederzugeben. Das ist ausdrücklich erwünscht – zeigt es doch, dass der Inhalt verstanden und verarbeitet wurde. Entscheidend ist jedoch, dass auch Paraphrasen immer mit einer Quellenangabe versehen werden.
Ein häufiger Fehler ist das sogenannte „Wort-für-Wort-Ersetzen“: Dabei werden nur einzelne Begriffe durch Synonyme ausgetauscht, während Satzstruktur und Gedankengang vollständig vom Original übernommen werden. Das gilt als Paraphrasenplagiat – auch wenn kein einziges Wort des Originals übrig geblieben ist.
Checkliste: Sauber paraphrasieren
- Die Originalquelle vollständig lesen und verstehen, bevor mit dem Schreiben begonnen wird
- Die Quelle weglegen oder schließen, bevor die Paraphrase geschrieben wird
- Den Inhalt in eigenen Sätzen formulieren – mit eigener Satzstruktur, nicht nur mit ausgetauschten Wörtern
- Die Paraphrase anschließend mit dem Original vergleichen: Ist die Struktur wirklich eigenständig?
- Quellenangabe direkt hinter der Paraphrase einfügen – auch bei sinngemäßer Wiedergabe
- Den Unterschied zwischen eigener Meinung und paraphrasierter Fremdmeinung im Text deutlich machen
Checkliste: Wörtliche Zitate korrekt einsetzen
- Wörtliche Zitate in Anführungszeichen setzen
- Den Wortlaut exakt übernehmen – Auslassungen mit […] kennzeichnen, Ergänzungen mit [Ergänzung]
- Autor, Erscheinungsjahr und Seitenangabe direkt beim Zitat angeben
- Wörtliche Zitate sparsam einsetzen – sie ersetzen keine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema
- Fremdsprachige Zitate ggf. mit einer Übersetzung versehen und das Original im Anhang oder in der Fußnote belegen
Welche Zitierstile sind in Österreich verbreitet?
An österreichischen Schulen und Hochschulen gibt es keinen einheitlich vorgeschriebenen Zitierstil. Häufig verwendete Systeme sind APA (American Psychological Association), Chicago und die Deutsche Zitierweise mit Fußnoten. Welcher Stil erwartet wird, legt in der Regel die Lehrerin, der Lehrer oder die betreuende Person fest.
Wichtig ist vor allem: Innerhalb einer Arbeit konsequent einen einzigen Zitierstil verwenden. Mischformen wirken unprofessionell und können als Nachlässigkeit gewertet werden. Im Zweifel frühzeitig nachfragen, welcher Stil erwartet wird.
Checkliste: Plagiatsprüfungs-Tools richtig nutzen
Plagiatsprüfungs-Software vergleicht den eingereichten Text mit einer Datenbank aus Websites, Publikationen und teilweise auch bereits eingereichten Arbeiten. Sie ist ein nützliches Hilfsmittel zur Selbstkontrolle – aber kein Ersatz für sorgfältiges wissenschaftliches Arbeiten.
- Die Plagiatsprüfung vor der endgültigen Abgabe nutzen, nicht erst danach
- Den Bericht sorgfältig lesen und alle markierten Stellen einzeln prüfen – nicht jede Übereinstimmung ist automatisch ein Plagiat
- Korrekt zitierte und gekennzeichnete Stellen im Bericht als solche erkennen und von tatsächlichen Problemen unterscheiden
- Hervorgehobene Textpassagen überarbeiten, wo Quellenangaben fehlen oder Formulierungen zu nah am Original sind
- Das Ergebnis der Prüfung nicht als „Freibrief“ missverstehen – ein niedriger Plagiatswert bedeutet nicht zwingend, dass alle Quellen korrekt angegeben sind
- Prüfen, ob die verwendete Software auch fremdsprachige Quellen und ältere Texte abdeckt
Welche Tools sind für Schülerinnen, Schüler und Studierende geeignet?
Bekannte und verbreitete Plagiatsprüfungs-Programme sind unter anderem Turnitin, PlagScan und Unicheck. Viele österreichische Hochschulen nutzen intern eigene Systeme, zu denen Studierende über die jeweilige Institution Zugang erhalten. Für Schülerinnen und Schüler gibt es auch kostenlose Online-Tools, die jedoch in Umfang und Genauigkeit variieren können.
Bevor ein Tool verwendet wird, empfiehlt es sich zu prüfen, ob Texte dauerhaft in der Datenbank des Anbieters gespeichert werden – das kann bei unveröffentlichten Arbeiten datenschutzrechtlich relevant sein.
Was tun, wenn ein Fehler bereits passiert ist?
Wer beim Überarbeiten merkt, dass eine Quellenangabe fehlt oder eine Passage zu nah am Original formuliert ist, sollte das sofort korrigieren – solange die Arbeit noch nicht abgegeben wurde. Die meisten solcher Fehler entstehen aus Versehen und lassen sich durch sorgfältiges Nacharbeiten beheben.
Nach der Abgabe ist eine ehrliche Kommunikation mit der betreuenden Lehrperson oder dem Betreuer oft der sinnvollste Weg. Absichtliche Täuschungen werden in der Regel strenger bewertet als nachgewiesene Nachlässigkeiten. Wer hingegen einen Plagiatsverdacht gegen eine fremde Arbeit hegt, sollte sich an die zuständige Stelle der Schule oder Hochschule wenden.
Häufige Fragen zum Thema
Muss ich auch Allgemeinwissen mit einer Quelle belegen?
Allgemein bekannte Fakten – wie historische Jahreszahlen oder grundlegende Definitionen, die in jedem Lehrbuch gleich stehen – müssen in der Regel nicht belegt werden. Was als Allgemeinwissen gilt, hängt jedoch vom Thema und vom Fach ab. Im Zweifelsfall ist eine Quellenangabe nie falsch und schützt vor Missverständnissen.
Ist es ein Plagiat, wenn ich meine eigene frühere Arbeit verwende?
Ja, das sogenannte Selbstplagiat kann ebenfalls ein Problem darstellen – vor allem im Studium. Wer eine bereits eingereichte Arbeit oder Teile davon erneut einreicht, ohne das offenzulegen, verstößt in vielen Fällen gegen die Prüfungsordnung. Im Zweifel die betreuende Person vorab informieren und die Wiederverwendung ausdrücklich absprechen.
Zählt ein Bild oder eine Grafik aus dem Internet auch als Plagiat?
Ja. Auch Bilder, Grafiken, Tabellen und andere visuelle Inhalte unterliegen dem Urheberrecht. Wer sie ohne Genehmigung und Quellenangabe verwendet, begeht eine Urheberrechtsverletzung – unabhängig davon, ob es sich um eine wissenschaftliche Arbeit oder eine Präsentation handelt. Creative-Commons-Lizenzen erlauben unter bestimmten Bedingungen eine kostenlose Nutzung, setzen aber ebenfalls eine korrekte Quellenangabe voraus.
Was ist der Unterschied zwischen einem Zitat und einer Paraphrase?
Ein wörtliches Zitat übernimmt den exakten Wortlaut einer Quelle in Anführungszeichen. Eine Paraphrase gibt denselben Inhalt in eigenen Worten wieder, ohne den genauen Wortlaut zu übernehmen. Beide Formen erfordern eine Quellenangabe – der Unterschied liegt nur in der Darstellungsweise, nicht in der Pflicht zur Kennzeichnung.
Ab welchem Prozentsatz gilt eine Arbeit als Plagiat?
Es gibt keinen festen Prozentwert, ab dem eine Arbeit automatisch als Plagiat gilt. Plagiatsprüfungs-Tools weisen lediglich auf Übereinstimmungen hin – die inhaltliche Bewertung liegt immer bei der prüfenden Person. Korrekt zitierte Passagen erhöhen den Übereinstimmungswert, sind aber kein Plagiat. Entscheidend ist nicht der Prozentwert, sondern ob Quellen ordnungsgemäß angegeben wurden.
Darf ich Texte mit KI-Tools schreiben lassen?
Das hängt von den jeweiligen Vorgaben der Schule oder Hochschule ab. An vielen österreichischen Bildungseinrichtungen sind KI-generierte Texte ohne entsprechende Kennzeichnung nicht zulässig – sie können als Täuschungsversuch gewertet werden. Manche Einrichtungen erlauben den unterstützenden Einsatz von KI-Tools, verlangen aber eine transparente Offenlegung. Die geltenden Regelungen sollten vorab immer direkt bei der betreuenden Person oder Institution erfragt werden.













