Ein Nachteilsausgleich bei der Matura soll keine bessere Note schenken, sondern Barrieren ausgleichen.
Gemeint sind in Österreich meist ausgleichende Maßnahmen, damit Schüler:innen mit nachweisbaren Beeinträchtigungen ihre Leistung unter fairen Rahmenbedingungen zeigen können.
Wichtig ist: Eine Diagnose allein führt nicht automatisch zu einer bestimmten Maßnahme. Entscheidend ist, ob die Beeinträchtigung die konkrete Prüfungssituation beeinflusst, ob sie fachlich nachgewiesen ist und welche Maßnahme wirklich geeignet ist. Deshalb sollte das Thema nicht erst wenige Tage vor der Matura angesprochen werden, sondern möglichst früh mit Schule, Klassenvorstand, Direktion und den zuständigen Fachstellen geklärt werden.
Nachteilsausgleich bei der Matura: Das Wichtigste
Kurzüberblick
- Offizieller Begriff: In Österreich wird häufig von ausgleichenden Maßnahmen gesprochen. Umgangssprachlich wird oft der Begriff Nachteilsausgleich verwendet.
- Ziel: Die Maßnahme soll eine behinderungs- oder beeinträchtigungsbedingte Benachteiligung ausgleichen, nicht die Leistungsanforderung senken.
- Nachweis nötig: In der Regel braucht es fachliche Unterlagen, etwa ärztliche, psychologische, schulärztliche oder schulpsychologische Nachweise.
- Individuelle Prüfung: Es gibt keine automatische Standardlösung für ADHS, Autismus, LRS, Sehbeeinträchtigung, Hörbeeinträchtigung, motorische Einschränkung oder chronische Erkrankung.
- Mögliche Maßnahmen: Je nach Fall kommen etwa Schreibzeitverlängerung, ruhiger Raum, technische Hilfsmittel, barrierefreie Aufgaben, Assistenz oder angepasste Arbeitsbedingungen infrage.
- Keine Sonderbewertung: Die fachlichen Anforderungen bleiben grundsätzlich erhalten. Bewertet wird die erbrachte Leistung, nicht die Diagnose.
- Früh beantragen: Je näher die Matura rückt, desto schwieriger wird die organisatorische Umsetzung. Besonders bei barrierefreien Prüfungsunterlagen braucht die Schule Vorlauf.
Was bedeutet Nachteilsausgleich bei der Matura?
Nachteilsausgleich bedeutet, dass eine Prüfung so organisiert wird, dass eine nachweisbare Beeinträchtigung nicht zu einer unfairen Benachteiligung führt. Bei der Matura kann das besonders wichtig sein, weil Zeitdruck, lange Konzentrationsphasen, schriftliche Aufgaben, mündliche Prüfungssituationen, technische Hilfsmittel oder Sinnesbeeinträchtigungen eine große Rolle spielen können.
Der Kern ist: Die Aufgabe soll nicht leichter werden. Der Rahmen soll so angepasst werden, dass die Kandidatin oder der Kandidat die geforderten Kompetenzen zeigen kann. Wer also eine Schreibzeitverlängerung erhält, bekommt nicht automatisch eine bessere Bewertung. Die zusätzliche Zeit soll nur jenen Nachteil ausgleichen, der durch die Beeinträchtigung entsteht.
| Begriff | Bedeutung | Wichtig für die Matura |
|---|---|---|
| Nachteilsausgleich | Umgangssprachlicher Begriff für Maßnahmen, die behinderungsbedingte Nachteile ausgleichen. | Der Begriff wird häufig verwendet, entscheidend sind aber die schulrechtlich möglichen ausgleichenden Maßnahmen. |
| Ausgleichende Maßnahmen | Anpassungen des Rahmens einer Leistungsfeststellung. | Sie können räumlich, zeitlich, technisch, methodisch oder personell sein. |
| Unterstützungsleistung | Unterstützung wegen einer Behinderung, etwa Assistenz oder Dolmetschleistung. | Sie ist nicht automatisch dasselbe wie eine Prüfungsanpassung. |
| Fördermaßnahme | Pädagogische Unterstützung im Unterricht. | Sie ersetzt nicht automatisch eine Maßnahme in der Matura-Prüfungssituation. |
Wer kann einen Nachteilsausgleich brauchen?
Ein Nachteilsausgleich kann bei unterschiedlichen Beeinträchtigungen relevant sein. Entscheidend ist aber immer die konkrete Auswirkung auf die Prüfung. Zwei Schüler:innen mit derselben Diagnose brauchen nicht automatisch dieselbe Maßnahme. Auch der Zeitpunkt, das Prüfungsfach und die Aufgabenform können eine Rolle spielen.
| Bereich | Mögliche Auswirkung in der Matura | Mögliche Maßnahme |
|---|---|---|
| Sehbeeinträchtigung oder Blindheit | Aufgaben, Grafiken oder Texte können nicht in üblicher Form gelesen werden. | Barrierefreie Aufgaben, vergrößerte Darstellung, Braille, Screenreader oder taktile Materialien. |
| Hörbeeinträchtigung oder Gehörlosigkeit | Mündliche Informationen, Hörtexte oder Prüfungsgespräche können beeinträchtigt sein. | Technische Unterstützung, Dolmetschleistung, angepasste Kommunikation oder geeignete Prüfungsorganisation. |
| Motorische Beeinträchtigung | Schreiben, Zeichnen, Tippen oder längeres Sitzen kann erschwert sein. | Schreibzeitverlängerung, technische Hilfsmittel, Assistenz oder geeigneter Arbeitsplatz. |
| Autismus-Spektrum | Reizüberflutung, unklare Abläufe oder Störungen können die Prüfungsleistung beeinträchtigen. | Ruhiger Raum, klare Ablaufinformation, reduzierte Störreize oder planbare Prüfungssituation. |
| Psychische oder emotional-soziale Beeinträchtigung | Prüfungsrahmen, Stress oder bestimmte Bedingungen können stark belastend sein. | Individuell geprüfte Rahmenbedingungen, Pausenregelung oder geeignete Raumorganisation. |
| Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten | Lesen, Schreiben oder Rechtschreibung kann die Leistung in bestimmten Prüfungsformen beeinflussen. | Individuelle Prüfung, klare Nachweise und sorgfältige Unterscheidung zwischen Fachleistung und beeinträchtigungsbedingter Schwierigkeit. |
| Chronische Erkrankung | Medikation, Schmerzen, Erschöpfung oder Behandlung können Prüfungssituationen erschweren. | Pausen, Raumorganisation, medizinisch notwendige Hilfsmittel oder zeitliche Anpassung, sofern begründet. |
Wenn bereits sonderpädagogische Unterstützung, ein Förderplan oder ein längerfristiger Unterstützungsbedarf besteht, sollte das rechtzeitig in die Matura-Planung einbezogen werden. Eine grundlegende Erklärung dazu findest du im Beitrag Wann bekommt ein Kind SPF in Österreich?.
Antrag, Nachweise und Ablauf
Wann sollte man den Antrag stellen?
Der wichtigste praktische Tipp lautet: so früh wie möglich. Ein Nachteilsausgleich bei der Matura sollte nicht erst beantragt werden, wenn die schriftlichen Klausuren unmittelbar bevorstehen. Die Schule muss prüfen, welche Nachweise vorliegen, welche Maßnahme geeignet ist, wer zuständig ist und ob die Umsetzung organisatorisch möglich ist.
Besonders bei standardisierten schriftlichen Prüfungen kann zusätzlicher Vorlauf nötig sein. Das gilt etwa dann, wenn Aufgaben in barrierefreier Form, besondere technische Ausstattung, ein eigener Raum oder Assistenz benötigt werden. Wer erst sehr spät handelt, riskiert unnötigen Stress und offene Fragen kurz vor der Prüfung.
| Zeitpunkt | Was sinnvoll ist | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Spätestens zu Schuljahresbeginn | Gespräch mit Klassenvorstand, Direktion oder Jahrgangsvorstand suchen. | Die Schule kann prüfen, welche Unterlagen und Schritte nötig sind. |
| Mehrere Monate vor der Matura | Nachweise aktualisieren und konkrete Maßnahmen besprechen. | Die Maßnahme muss zur Prüfungssituation passen und organisatorisch vorbereitet werden. |
| Vor Anmelde- und Prüfungsterminen | Schriftliche Bestätigung oder schulinterne Entscheidung klären. | Alle Beteiligten müssen wissen, was am Prüfungstag gilt. |
| Kurz vor der Prüfung | Ablauf, Raum, Hilfsmittel und Kontaktperson nochmals prüfen. | So werden Missverständnisse am Prüfungstag vermieden. |
Welche Nachweise sind wichtig?
Für ausgleichende Maßnahmen braucht es in der Regel nachvollziehbare fachliche Unterlagen. Das können zum Beispiel ärztliche, fachärztliche, klinisch-psychologische, schulärztliche oder schulpsychologische Nachweise sein. Entscheidend ist nicht nur die Diagnose, sondern auch die Frage, wie sich die Beeinträchtigung konkret auf Leistungsfeststellungen auswirkt.
Ein guter Nachweis erklärt daher nicht nur, dass eine Beeinträchtigung besteht, sondern auch, warum bestimmte Rahmenbedingungen notwendig sind. Die Schule muss daraus ableiten können, welche Maßnahme geeignet und verhältnismäßig ist.
| Unterlage | Wofür sie hilfreich ist | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Fachärztlicher Befund | Nachweis einer medizinischen oder körperlichen Beeinträchtigung. | Der Bezug zur Prüfungssituation sollte erkennbar sein. |
| Klinisch-psychologisches Gutachten | Nachweis bei psychischen, neuropsychologischen oder entwicklungsbezogenen Themen. | Es sollte aktuell genug und fachlich nachvollziehbar sein. |
| Schulpsychologische Stellungnahme | Einordnung im schulischen Kontext. | Hilfreich, wenn Schule und Prüfungssituation gemeinsam betrachtet werden müssen. |
| Schulärztliche Einschätzung | Unterstützung bei gesundheitlichen Fragen im Schulalltag. | Kann besonders bei chronischen Erkrankungen oder körperlichen Einschränkungen relevant sein. |
| Bisherige Maßnahmen im Unterricht | Zeigt, welche Unterstützung schon länger notwendig war. | Wichtig, damit der Bedarf nicht erst am Prüfungstag behauptet wird. |
Wer entscheidet über den Nachteilsausgleich?
Die erste Anlaufstelle ist immer die Schule. Dort sollte geklärt werden, wer konkret zuständig ist: Direktion, Klassenvorstand, Jahrgangsvorstand, Fachlehrkräfte, Schulärztin oder Schularzt, Schulpsychologie oder Bildungsdirektion. Die Zuständigkeit kann je nach Schulart, Bundesland und Art der Maßnahme unterschiedlich sein.
Eltern und Schüler:innen sollten daher nicht nur mündlich nachfragen, sondern den Bedarf schriftlich festhalten und um eine klare Rückmeldung bitten. So bleibt nachvollziehbar, wann welche Unterlagen übergeben wurden und welche Maßnahme für welchen Prüfungsteil vorgesehen ist.
Wenn Unsicherheit besteht, ob die Matura überhaupt in der geplanten Form möglich ist, hilft zuerst ein Blick auf die allgemeinen Voraussetzungen und Prüfungsteile. Diese findest du im Überblick Matura-Anforderungen in Österreich.
Mögliche Maßnahmen bei der Matura
Maßnahmen bei schriftlichen Prüfungen
Bei schriftlichen Klausuren geht es häufig um Zeit, Raum, Aufgabenformat, technische Hilfsmittel und die Art der Leistungserbringung. Wichtig ist, dass die Maßnahme zum konkreten Nachteil passt. Eine pauschale Schreibzeitverlängerung ist nicht automatisch für alle Beeinträchtigungen richtig.
| Maßnahme | Wann sie helfen kann | Wichtig |
|---|---|---|
| Schreibzeitverlängerung | Wenn Lesen, Schreiben, Tippen, Orientieren oder Bearbeiten nachweislich mehr Zeit braucht. | Die Dauer muss begründet und vorab festgelegt sein. |
| Ruhiger Prüfungsraum | Bei starker Ablenkbarkeit, Reizempfindlichkeit, Autismus-Spektrum oder bestimmten psychischen Belastungen. | Aufsicht, gleiche Prüfungsbedingungen und Organisation müssen gesichert sein. |
| Technische Hilfsmittel | Bei Seh-, Hör-, motorischen oder anderen Beeinträchtigungen. | Nur erlaubte und vorab geprüfte Hilfsmittel verwenden. |
| Barrierefreie Aufgaben | Bei Blindheit, Sehbeeinträchtigung oder Bedarf an besonderer Darstellung. | Die Bestellung und Bereitstellung braucht ausreichend Vorlauf. |
| Pausenregelung | Bei chronischen Erkrankungen, Schmerzen, Erschöpfung oder medizinischem Bedarf. | Vorab klären, ob und wie Pausen auf die Arbeitszeit angerechnet werden. |
| Assistenz oder Dolmetschleistung | Bei körperlicher Beeinträchtigung, Kommunikationsbedarf oder Sinnesbeeinträchtigung. | Die Assistenz darf nicht inhaltlich helfen, sondern nur den Nachteil ausgleichen. |
Wenn es um erlaubte Geräte, Wörterbücher, Taschenrechner oder andere Prüfungswerkzeuge geht, sollte zusätzlich der Beitrag Welche Hilfsmittel sind bei der Matura erlaubt? geprüft werden.
Maßnahmen bei mündlichen Prüfungen
Auch mündliche Prüfungen können betroffen sein. Hier geht es etwa um Vorbereitungssituation, Kommunikation, Raum, Reizbelastung, Hilfsmittel, Dolmetschleistung oder Ablauftransparenz. Wichtig ist, dass die fachliche Anforderung erhalten bleibt. Ein Nachteilsausgleich darf nicht bedeuten, dass weniger Wissen verlangt wird.
Bei mündlichen Prüfungen kann eine klare Ablaufbeschreibung besonders helfen. Wer zum Beispiel durch unklare Situationen stark belastet ist, sollte vorher wissen, wie Vorbereitungszeit, Prüfungsgespräch, Hilfsmittel und Rückfragen organisiert sind.
Was ein Nachteilsausgleich nicht bedeutet
Ein häufiger Irrtum ist, dass Nachteilsausgleich eine mildere Bewertung bedeutet. Das ist nicht der Zweck. Die Maßnahme verändert den Rahmen der Leistungserbringung, nicht die fachlichen Anforderungen. Wer zusätzliche Zeit bekommt, muss trotzdem eine inhaltlich ausreichende Leistung zeigen.
| Missverständnis | Richtig ist | Warum? |
|---|---|---|
| „Die Prüfung wird leichter.“ | Die Prüfung soll barriereärmer werden, nicht fachlich einfacher. | Die Kompetenzen müssen weiterhin gezeigt werden. |
| „Die Diagnose reicht immer.“ | Entscheidend ist die konkrete Auswirkung auf die Prüfung. | Maßnahmen müssen begründet und passend sein. |
| „Alle mit derselben Diagnose bekommen dasselbe.“ | Maßnahmen werden individuell geprüft. | Beeinträchtigungen wirken sich unterschiedlich aus. |
| „Man kann das kurz vor der Prüfung klären.“ | Der Antrag sollte möglichst früh gestellt werden. | Organisation, Nachweise und barrierefreie Unterlagen brauchen Zeit. |
Termine, Planung und nächste Schritte
Wichtige Matura-Termine für die Planung
Für den Nachteilsausgleich sind die Matura-Termine wichtig, weil Antrag, Nachweise und Organisation rechtzeitig vor dem jeweiligen Prüfungstermin abgeschlossen sein sollten. Nach dem Haupttermin 2026 sind vor allem Herbsttermin 2026, Wintertermin 2027 und Haupttermin 2027 relevant.
| Terminblock | Deutsch | Englisch | Mathematik / Angewandte Mathematik | Kompensationsprüfung |
|---|---|---|---|---|
| Herbsttermin 2026 | 17.09.2026 | 18.09.2026 | 22.09.2026 | 13.10.2026 |
| Wintertermin 2027 | 11.01.2027 | 12.01.2027 | 13.01.2027 | 28.01.2027 |
| Haupttermin 2027 | 05.05.2027 | 11.05.2027 | 10.05.2027 | 01.06.2027 und 02.06.2027 |
Die vollständige Terminübersicht mit weiteren Prüfungsfächern findest du hier: Matura-Termine in Österreich.
Was tun, wenn die Matura negativ war?
Ein Nachteilsausgleich schützt nicht automatisch vor einer negativen Beurteilung. Wenn die Leistung trotz ausgleichender Maßnahme negativ beurteilt wird, müssen die nächsten Schritte wie bei anderen Kandidat:innen geklärt werden. Bei standardisierten schriftlichen Prüfungen kann eine mündliche Kompensationsprüfung relevant werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind und der Antrag rechtzeitig gestellt wird.
Wichtig ist, sofort nach der Ergebnisbekanntgabe mit der Schule zu sprechen. Wer unsicher ist, wie Noten, bestanden, nicht bestanden und weitere Termine zusammenhängen, findet hier eine Orientierung: Matura-Ergebnisse und nächste Schritte. Eine eigene Erklärung zur zweiten Chance im selben Terminblock bietet der Beitrag Kompensationsprüfung bei der Matura.
Vorbereitung trotz Nachteilsausgleich
Ein Nachteilsausgleich ersetzt keine Vorbereitung. Gerade wer mit zusätzlicher Zeit, technischem Hilfsmittel, barrierefreien Aufgaben oder besonderer Raumorganisation arbeitet, sollte die Prüfungssituation vorher üben. Sonst kann die ungewohnte Maßnahme selbst wieder Stress auslösen.
Für die fachliche Vorbereitung helfen echte Aufgaben und frühere Prüfungen. Einen Einstieg dazu findest du hier: Matura-Aufgabenpool in Österreich. Wer sich speziell auf Deutsch vorbereitet, sollte außerdem die Textsorten der Deutsch-Matura sicher kennen.
Checklisten für Schüler:innen und Eltern
Checkliste vor dem Antrag
- Bedarf genau beschreiben: Nicht nur die Diagnose nennen, sondern erklären, was in Prüfungssituationen schwierig ist.
- Unterlagen sammeln: Befunde, Gutachten, schulpsychologische Stellungnahmen oder bisherige Unterstützungsmaßnahmen vorbereiten.
- Schule kontaktieren: Früh mit Klassenvorstand, Direktion oder zuständiger Ansprechperson sprechen.
- Konkrete Maßnahme vorschlagen: Zum Beispiel Zeitverlängerung, eigener Raum, technische Hilfe oder barrierefreie Unterlagen.
- Prüfungsteile trennen: Schriftliche Klausur, mündliche Prüfung und Kompensationsprüfung können unterschiedliche Anforderungen haben.
- Schriftliche Rückmeldung einholen: Damit am Prüfungstag klar ist, was gilt.
Checkliste für den Prüfungstag
| Bereich | Was vorher geklärt sein sollte | Warum? |
|---|---|---|
| Raum | Wo findet die Prüfung statt und wer ist Aufsicht? | Ein anderer Raum muss organisatorisch abgesichert sein. |
| Zeit | Wie viel zusätzliche Zeit gilt und wann endet die Prüfung? | Unklarheit über Zeit erzeugt Stress. |
| Hilfsmittel | Welche Geräte, Unterlagen oder technischen Hilfen sind erlaubt? | Nicht zugelassene Hilfsmittel können problematisch sein. |
| Pausen | Ob Pausen möglich sind und wie sie dokumentiert werden. | Besonders bei chronischen Erkrankungen wichtig. |
| Kommunikation | Wer bei technischen Problemen oder Unsicherheiten angesprochen wird. | Am Prüfungstag sollte keine Zuständigkeit offen sein. |
| Unterlagen | Ob barrierefreie Angaben, Ausdrucke oder digitale Versionen bereitliegen. | Fehlende Unterlagen können den Prüfungsstart gefährden. |
Häufige Fehler beim Nachteilsausgleich
Viele Probleme entstehen nicht durch böse Absicht, sondern durch zu späte Kommunikation oder unklare Zuständigkeiten. Besonders bei der Matura sollte alles möglichst früh und schriftlich geklärt werden.
- Zu spät handeln: Ein Antrag wenige Tage vor der Matura ist oft organisatorisch schwierig.
- Nur die Diagnose nennen: Die Schule braucht auch eine nachvollziehbare Auswirkung auf die Prüfung.
- Maßnahme nicht testen: Technische Hilfsmittel oder besondere Räume sollten vorher bekannt sein.
- Schriftliche Bestätigung vergessen: Mündliche Zusagen können am Prüfungstag zu Unsicherheiten führen.
- Fachanforderung unterschätzen: Der Nachteilsausgleich ersetzt nicht Lernen, Üben und Vorbereitung.
- Alle Prüfungsteile gleich behandeln: Schriftliche Prüfung, mündliche Prüfung und Kompensationsprüfung können unterschiedliche Lösungen brauchen.
Fazit: Früh klären, gut begründen, sauber vorbereiten
Ein Nachteilsausgleich bei der Matura kann für Schüler:innen mit Beeinträchtigung entscheidend sein, damit die Prüfung fair durchgeführt werden kann. Er bedeutet aber keine Bevorzugung und keine mildere Leistungsbeurteilung. Die fachlichen Anforderungen bleiben bestehen, nur der Rahmen der Leistungserbringung wird angepasst.
Wer betroffen ist, sollte nicht warten, bis der Prüfungsdruck steigt. Am besten werden Bedarf, Nachweise, konkrete Maßnahme und organisatorischer Ablauf früh im Schuljahr geklärt. So wissen alle Beteiligten rechtzeitig, was am Prüfungstag gilt.
Häufige Fragen und Quellen
FAQ: Nachteilsausgleich bei der Matura
Gibt es in Österreich einen Nachteilsausgleich bei der Matura?
Ja, in der Praxis werden dafür meist ausgleichende Maßnahmen verwendet. Sie sollen Nachteile ausgleichen, die durch eine nachweisbare Beeinträchtigung in der Prüfungssituation entstehen.
Ist Nachteilsausgleich dasselbe wie eine leichtere Prüfung?
Nein. Der Nachteilsausgleich verändert nicht die fachlichen Anforderungen. Er passt nur den Rahmen der Leistungserbringung an, damit die Kandidatin oder der Kandidat die geforderten Kompetenzen fair zeigen kann.
Wer kann einen Nachteilsausgleich bei der Matura bekommen?
Das hängt vom Einzelfall ab. Relevant können zum Beispiel Sehbeeinträchtigung, Hörbeeinträchtigung, motorische Einschränkungen, Autismus-Spektrum, psychische Beeinträchtigungen, chronische Erkrankungen oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten sein, wenn sie die Prüfungssituation nachweislich beeinflussen.
Reicht eine Diagnose allein aus?
Eine Diagnose allein reicht meist nicht aus. Wichtig ist, wie sich die Beeinträchtigung konkret auf die Prüfung auswirkt und welche Maßnahme diesen Nachteil angemessen ausgleichen kann.
Welche Maßnahmen sind bei der Matura möglich?
Möglich sind je nach Fall etwa Schreibzeitverlängerung, ruhiger Prüfungsraum, technische Hilfsmittel, barrierefreie Aufgaben, Assistenz, Dolmetschleistung, Pausenregelung oder besondere organisatorische Vorkehrungen.
Wann sollte man den Nachteilsausgleich beantragen?
So früh wie möglich. Idealerweise wird der Bedarf bereits zu Schuljahresbeginn oder mehrere Monate vor der Matura mit der Schule besprochen. Kurz vor der Prüfung kann die Organisation schwierig werden.
Wer entscheidet über den Nachteilsausgleich?
Die erste Anlaufstelle ist die Schule. Je nach Schulart, Maßnahme und Bundesland können Direktion, Lehrkräfte, Schulärztin oder Schularzt, Schulpsychologie, Bildungsdirektion oder weitere Stellen beteiligt sein.
Gilt ein Nachteilsausgleich auch für die Kompensationsprüfung?
Das muss im konkreten Fall geklärt werden. Wenn die Beeinträchtigung auch die mündliche Kompensationsprüfung betrifft, sollte rechtzeitig besprochen werden, welche Maßnahme dort erforderlich und zulässig ist.
Wird ein Nachteilsausgleich im Maturazeugnis vermerkt?
Der Nachteilsausgleich soll die faire Leistungserbringung ermöglichen. Ob und wie interne Dokumentationen erfolgen, sollte mit der Schule geklärt werden. Auf dem Zeugnis steht grundsätzlich die Leistungsbeurteilung, nicht die Diagnose.
Was kann man tun, wenn die Schule unsicher ist?
Dann sollte man schriftlich um Klärung bitten und vorhandene Nachweise beilegen. Je nach Fall können Schulpsychologie, Schulärztlicher Dienst oder Bildungsdirektion einbezogen werden.
Quellen
- Bundesministerium für Bildung: Regelung von ausgleichenden Maßnahmen – offizielles Dokument zu Voraussetzungen, Begriffsklärung und möglichen Maßnahmen bei Leistungsfeststellungen.
- matura.gv.at: Offizielle Prüfungstermine der Matura – Termine für Herbsttermin 2026, Wintertermin 2027, Haupttermin 2027 und Kompensationsprüfungen.
- Rechtsinformationssystem des Bundes: Schulunterrichtsgesetz und Leistungsbeurteilungsverordnung – gesetzliche Grundlagen zu Leistungsbeurteilung, Leistungsfeststellungen und schulrechtlichen Bestimmungen.
- oesterreich.gv.at: Schule und Behinderung – Bürgerinformation zu Schule, Behinderung und Unterstützungsfragen im Bildungsbereich.













