Schulen: Lehrer warten auf versprochene Verbesserungen & Entlastung

Lehrervertreter sagen, dass die angekündigten Entlastungen im Schulalltag bisher kaum spürbar sind. Konkret geht es um weniger Bürokratie und mehr Unterstützungspersonal – etwa in der Deutschförderung, bei pädagogisch-administrativen Fachkräften sowie in Schulpsychologie und Schulsozialarbeit.

Laut KURIER/APA wartet man an den Schulen aber noch auf messbare Erleichterungen, obwohl dafür bereits Zahlen und Maßnahmenpakete präsentiert wurden. 80 % der Ministeriumserlässe wurden zwar gestrichen, doch als Entlastung werde das vor Ort kaum erlebt.

Wichtig ist die Einordnung: Viele Versprechen betreffen große Systeme, Personalaufbau und Verwaltungsprozesse. Solche Änderungen können nicht von heute auf morgen wirken.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Debatte, dass die Erwartung in den Schulen klar ist: Entlastung soll nicht nur angekündigt, sondern im Alltag spürbar werden – bei Schulleitungen, Lehrkräften und letztlich auch bei den Kindern.

VerbesserungWas versprochen wurdeStand laut Lehrervertretern
Entbürokratisierung80 % der Erlässe/Rundschreiben gestrichenKaum Entlastung spürbar, teils mussten Regeln wieder kommen
DeutschförderungAusbau auf 1.300 Planstellen, mehr AutonomieSkepsis wegen Aufwand, Schulen sollen Konzepte bis Mitte April liefern
Unterstützung im Schulalltag190 Planstellen für pädagogisch-administrative FachkräfteLaut Kimberger derzeit nur etwa ein Drittel besetzt
Schulpsychologie und SchulsozialarbeitZusätzliche Posten ausgeschriebenIn der Praxis laut Kimberger noch kaum „angekommen“

Worum es bei den versprochenen Verbesserungen genau geht

1) Weniger Bürokratie: Warum 80 Prozent weniger Erlässe nicht automatisch helfen

Ein Kernversprechen war „Entbürokratisierung“. Laut KURIER/APA wurden zu Schuljahresbeginn 80 % der Ministeriumserlässe gestrichen. Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) sagt jedoch, dass an den Schulen dadurch bislang keine echte Entlastung angekommen sei. Er nennt als Problem, dass manche Regelungen im Nachhinein doch wieder gebraucht wurden und nach Diskussionen erneut eingeführt wurden – etwa dort, wo es um klare Vorgaben und Rechtssicherheit geht. Die Kritik dahinter ist einfach: Weniger Papier ist nur dann hilfreich, wenn Abläufe wirklich leichter werden und nicht neue Unsicherheit entsteht.

Zusätzlich gibt es eigene Maßnahmenpakete zur Entbürokratisierung, die stärker auf Systeme und Prozesse zielen. Dazu zählen etwa die Modernisierung des Schulverwaltungssystems „Sokrates“, digitale Abläufe rund um Zeugnisse sowie die angekündigte App „Teachers.direct“, die Anträge und Meldungen vereinfachen soll. Diese Schritte sind grundsätzlich geeignet, Arbeit zu sparen – wirken aber erst dann, wenn sie flächendeckend in den Schulen angekommen sind und im Alltag tatsächlich Zeit freimachen.

2) Mehr Personal: Warum zusätzliche Stellen am Papier noch keine Entlastung sind

Ein zweites großes Versprechen lautet: mehr Unterstützungspersonal, damit Lehrkräfte und Schulleitungen sich stärker auf Unterricht und Pädagogik konzentrieren können. Das Bildungsministerium nannte dafür konkrete Größenordnungen: Im Stellenplan wurden etwa 190 zusätzliche Planstellen für pädagogisch-administrative Fachkräfte vorgesehen, die organisatorische Aufgaben übernehmen sollen. Laut Kimberger sei nach einem Semester aber erst rund ein Drittel dieser Posten tatsächlich besetzt. Das erklärt, warum viele Schulen noch keinen Unterschied spüren: Eine Planstelle hilft erst dann, wenn sie real besetzt ist und die Aufgaben klar im Alltag übernommen werden.

Ähnlich gelagert ist die Debatte bei Schulpsychologie und Schulsozialarbeit. Laut dem aktuellen Bericht wurden zusätzliche Posten zwar ausgeschrieben, Kimberger sagt jedoch sinngemäß, dass er in der Praxis noch keine „zusätzlichen“ Schulpsycholog:innen gesehen habe. Ob das an Besetzungsproblemen, langen Verfahren oder regionalen Engpässen liegt, kann je nach Bundesland unterschiedlich sein. Für die Stimmung in den Schulen zählt aber vor allem das Ergebnis: Wenn Unterstützung nicht verfügbar ist, bleibt die Belastung bei den Teams.

3) Deutschförderung: Ausbau, Autonomie und der Streit um den Aufwand

Besonders sensibel ist das Thema Deutschförderung. Das Bildungsministerium kündigte eine deutliche Ausweitung an und spricht im Schuljahr 2025/26 unter anderem von rund 747 zusätzlichen Planstellen für Deutschförderung sowie von einer neuen Logik der Mittelzuteilung und insgesamt mehr Ressourcen. Gleichzeitig wird politisch betont, dass Schulen bei der Organisation wieder mehr Spielraum bekommen sollen.

Die Kritik aus der Praxis setzt hier an einem Punkt an, den viele Schulen sofort verstehen: Mehr Autonomie ist nur dann eine Erleichterung, wenn der Weg dorthin nicht neue Bürokratie erzeugt. Laut KURIER/APA sollen Schulen, die künftig selbst organisieren wollen, dem Ministerium bis Mitte April ein Sprachförderkonzept vorlegen. Kimberger hält das in Zeiten der Entbürokratisierung für unpassend und berichtet, dass manche Schulen diesen Aufwand vermeiden und lieber beim bestehenden System bleiben würden.

4) Was wurde wem wann versprochen: Der Zeitstrahl der Ankündigungen

Viele der heute diskutierten „versprochenen Verbesserungen“ wurden als Teil einer „Aufholjagd“ für das Schuljahr 2025/26 kommuniziert. Am 22. August 2025 stellte das Bildungsministerium vor Schulstart konkrete Neuerungen vor – darunter zusätzliche Planstellen in der Deutschförderung und den Start der pädagogisch-administrativen Fachkräfte. Im Dezember 2025 folgte ein eigenes Maßnahmenpaket zur Entbürokratisierung, das unter anderem digitale Verfahren und Erleichterungen bei bestimmten Erhebungen und Dokumentationspflichten ankündigte. Im Februar 2026 wird nun sichtbar, wo die Praxis aus Sicht der Lehrkräfte hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Discover-Kurzfassung

Worum es geht

Lehrervertreter sagen, dass die versprochenen Entlastungen im Schulalltag bisher kaum spürbar sind. Im Zentrum stehen weniger Bürokratie, mehr Personal und mehr Unterstützung bei Deutschförderung, Schulpsychologie und Schulsozialarbeit.

Warum das viele betrifft

Wenn Personal fehlt oder Abläufe nicht einfacher werden, bleibt mehr Arbeit bei Lehrkräften und Schulleitungen hängen. Das wirkt sich auf Zeit für Unterricht, Förderarbeit und Gespräche mit Kindern und Eltern aus.

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