Nach der 8. Schulstufe (und damit vor dem 9. Pflichtschuljahr) steht für viele Familien die große Frage im Raum: Lehre oder weiterführende Schule? Dieser Ratgeber zeigt Ihnen alle gängigen Wege in Österreich, die wichtigsten rechtlichen Grundlagen und eine Bundesländer-Übersicht, damit Sie rasch zu konkreten Anlaufstellen und Schul- bzw. Ausbildungsangeboten kommen.
Optionen nach der Pflichtschule: So finden Sie den passenden Weg
Lehre oder Schule? Eine schnelle Entscheidungshilfe
Aktuelle Fakten 2026 (kompakt)
Thema
Was das für Sie heißt
Schulpflicht
Die allgemeine Schulpflicht dauert 9 Schuljahre (9. Schulstufe ist Pflicht).
Ausbildungspflicht bis 18
Nach Ende der Schulpflicht braucht es bis zum 18. Geburtstag eine Ausbildung oder anerkannte Maßnahme (z. B. Schule, Lehre, AMS-Maßnahme).
Typische Wahlwege
AHS-Oberstufe/ORG, BHS (z. B. HTL/HAK/HLW), BMS/Fachschule, PTS, Lehre (auch mit Matura).
Rechtliche Grundlagen – einfach erklärt
9. Schulstufe ist verpflichtend: Das 9. Schuljahr kann je nach Weg z. B. in einer weiterführenden Schule, in der Polytechnischen Schule (PTS) oder in bestimmten Konstellationen auch anders erfüllt werden.
Ausbildungspflicht bis 18: Eltern/Erziehungsberechtigte müssen dafür sorgen, dass Jugendliche nach der Schulpflicht bis 18 in Ausbildung sind (Schule, Lehre, anerkannte Ausbildung/ Maßnahme).
Wichtige Frist im Hintergrund: Wenn nach Ende/Abbruch einer Ausbildung nicht zeitnah ein neuer Weg begonnen wird, gibt es Melde- und Unterstützungsprozesse über die regionalen Koordinierungsstellen („AusBildung bis 18“).
Schnellvergleich: Lehre vs. Schule
Kriterium
Lehre
Schule
Alltag
Praxis im Betrieb + Berufsschule
Vollzeit-Unterricht + Praktika (je nach Schulform)
Geld
Lehrlingseinkommen
Kein Einkommen (Kosten eher Fahrt, Material, evtl. Internat)
Abschluss
Lehrabschluss (optional: Lehre mit Matura)
BMS: Berufsausbildung / BHS: Reife- und Diplomprüfung / AHS: Matura
Abschluss: je nach Dauer Abschlusszeugnis bzw. Abschlussprüfung; bei längeren Formen eine abgeschlossene Berufsausbildung
Weiterweg: je nach Schulart später z. B. Aufbaulehrgang oder Berufsreifeprüfung möglich
4) Polytechnische Schule (PTS) – „9. Schulstufe mit Berufsorientierung“
Schulform: 9. Schulstufe (Pflichtschuljahr) mit Fachbereichen
Ziel: sehr praxisnahe Vorbereitung auf Lehre und Beruf
Vorteil: stärkt Orientierung, Bewerbungen, Schnuppern, oft gute Brücke in Lehrstellen
5) Lehre (duales System) – Betrieb + Berufsschule
Ausbildungsform: Lehrvertrag mit Betrieb + Berufsschule
Dauer: je nach Lehrberuf meist mehrere Jahre
Abschluss: Lehrabschlussprüfung
6) Lehre mit Matura (Berufsmatura)
Ausbildungsform: Lehre + Vorbereitung auf 4 Teilprüfungen der Berufsmatura
Wichtig: Organisation und Abwicklung sind je Bundesland über eine Trägerorganisation geregelt.
7) Überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA)
Ausbildungsform: Ausbildung außerhalb eines regulären Lehrbetriebs (z. B. wenn keine Lehrstelle gefunden wird), mit dem Ziel der Übernahme in einen Betrieb
Anlaufstellen: typischerweise AMS und Bildungsträger/Programme
8) Integrative Berufsausbildung (IBA): verlängerte Lehre oder Teilqualifizierung
Für wen: v. a. benachteiligte Jugendliche bzw. Jugendliche mit Unterstützungsbedarf
Formen: verlängerte Lehrzeit oder Teilqualifizierung (rechtlich im Berufsausbildungsgesetz verankert)
Wichtig: Einbindung von Unterstützungssystemen (z. B. Berufsausbildungsassistenz) ist üblich.
9) Unterstützungsangebote – wenn Orientierung, Stabilisierung oder „Plan B“ nötig ist
Jugendcoaching: Hilfe bei Entscheidung, Krisen, Abbruch vermeiden, nächsten Schritt planen
AusbildungsFit/ähnliche Angebote: Basiskompetenzen, Tagesstruktur, Vorbereitung auf Ausbildung
Koordinierungsstellen „AusBildung bis 18“: regionale Drehscheibe, damit Jugendliche in Ausbildung bleiben
Wenn Ihr Kind später Lehrer:in werden möchte (kurz & realistisch)
Direkt nach der Pflichtschule führt der Weg in der Regel zuerst über AHS/BHS (Matura) oder einen späteren Maturaweg (z. B. über Lehre mit Matura).
Danach ist je nach Ziel Lehramtsstudium an Pädagogischen Hochschulen (z. B. Primarstufe) und/oder Universitäten (z. B. Sekundarstufe) der nächste Schritt.
Anmeldung & typische Zeitpunkte (damit Sie nichts verpassen)
BMHS (BHS/BMS): Anmeldungen sind häufig im Zeitraum rund um die Semesterferien bzw. unmittelbar danach – Details legt die jeweilige Schule fest.
Unterlagen: meist Semesterzeugnis/Schulerfolgsbestätigung, Jahreszeugnis, Anmeldeformulare, ggf. Nachweise für Eignungsprüfungen.
Praxis-Tipp: Früh schnuppern (Tage der offenen Tür, Schnuppertage, Gespräche mit Schüler:innen/Lehrlingen) – das klärt mehr als jede Broschüre.
Bundesländer-Übersicht: Wo finden Sie konkrete Schulen und Anlaufstellen?
Wichtig: Die Ausbildungswege (AHS, BHS, BMS, PTS, Lehre usw.) sind österreichweit grundsätzlich gleich.
Konkrete Schulnamen, Standorte und Kontakte finden Sie am schnellsten über die offiziellen Stellen in Ihrem Bundesland (Bildungsdirektion, WKO/Lehrlingsstelle, AMS, AusBildung bis 18).
KOST Oberösterreich („AusBildung bis 18“) + Jugendcoaching
Ausbildungspflicht/Unterstützung
Passende Angebote, wenn der Weg nicht klar ist
Land Oberösterreich (Landwirtschaftliche Fachschulen)
Land- und forstwirtschaftliche Schulformen
Schulische Agrar-/Praxiswege
Salzburg
Schule/Anlaufstelle (Name)
Schulform/Ausbildungsform
Wofür geeignet / Voraussetzung
Bildungsdirektion Salzburg
AHS/BHS/BMS/PTS
Schulsuche, Aufnahme, Beratung
WKO Salzburg (Lehrlingsstelle) + AMS Salzburg
Lehre, ÜBA
Lehrstellen, Lehrberufe, Alternativen
WIFI Salzburg / BFI Salzburg
Lehre mit Matura
Kurse und Organisation im Bundesland
KOST Salzburg („AusBildung bis 18“) + Jugendcoaching
Ausbildungspflicht/Unterstützung
Übergang Schule–Beruf begleiten, Lösungen bei Abbruch
Land Salzburg (Landwirtschaftliche Fachschulen)
Land- und forstwirtschaftliche Schulformen
Praxisnahe Fachschulangebote
Steiermark
Schule/Anlaufstelle (Name)
Schulform/Ausbildungsform
Wofür geeignet / Voraussetzung
Bildungsdirektion Steiermark
AHS/BHS/BMS/PTS
Konkrete Schulen, Aufnahmeinfos, Beratung
WKO Steiermark (Lehrlingsstelle) + AMS Steiermark
Lehre, ÜBA
Lehrstellen/Lehrberufe, Unterstützung im Übergang
BFI Steiermark / WIFI Steiermark
Lehre mit Matura
Trägerorganisationen und Kurszugang
KOST Steiermark („AusBildung bis 18“) + Jugendcoaching
Ausbildungspflicht/Unterstützung
Begleitung, wenn kein nahtloser Anschluss gelingt
Land Steiermark (Landwirtschaftliche Fachschulen)
Land- und forstwirtschaftliche Schulformen
Agrarische/hauswirtschaftliche Fachschulwege
Tirol
Schule/Anlaufstelle (Name)
Schulform/Ausbildungsform
Wofür geeignet / Voraussetzung
Bildungsdirektion Tirol
AHS/BHS/BMS/PTS
Schulstandorte, Aufnahme, Beratung
WKO Tirol (Lehrlingsstelle) + AMS Tirol
Lehre, ÜBA
Lehrstellen und Ausbildungsalternativen
Verein zur Förderung der Berufsmatura in Tirol
Lehre mit Matura
Trägerorganisation und Abwicklung im Bundesland
KOST Tirol („AusBildung bis 18“) + Jugendcoaching
Ausbildungspflicht/Unterstützung
Stabilisierung und Vermittlung in passende Angebote
Land Tirol (Landwirtschaftliche Fachschulen)
Land- und forstwirtschaftliche Schulformen
Praxiswege im Agrar-/Ländlichen Bereich
Vorarlberg
Schule/Anlaufstelle (Name)
Schulform/Ausbildungsform
Wofür geeignet / Voraussetzung
Bildungsdirektion Vorarlberg
AHS/BHS/BMS/PTS
Schulangebote, Aufnahmeinfos, Beratung
WKO Vorarlberg (Lehrlingsstelle) + AMS Vorarlberg
Lehre, ÜBA
Lehrstellen, Übergang Schule–Beruf
Volkshochschule Bregenz / Volkshochschule Bludenz / Lehre in Vorarlberg
Lehre mit Matura
Anlaufstellen laut Trägerstruktur im Bundesland
KOST Vorarlberg („AusBildung bis 18“) + Jugendcoaching
Ausbildungspflicht/Unterstützung
Wenn Anschlusslösung fehlt oder ein Wechsel nötig ist
Land Vorarlberg (Landwirtschaftliche Fachschulen)
Land- und forstwirtschaftliche Schulformen
Praxisnahe Fachschulangebote
Wien
Schule/Anlaufstelle (Name)
Schulform/Ausbildungsform
Wofür geeignet / Voraussetzung
Bildungsdirektion Wien
AHS/BHS/BMS/PTS
Schularten, Schulstandorte, Aufnahme und Beratung
WKO Wien (Lehrlingsstelle) + AMS Wien
Lehre, ÜBA
Lehrstellen/Lehrberufe, Alternativen bei Lehrstellenmangel
IBK-Stelle der Wiener Berufsschulen (Berufsmatura Wien)
Lehre mit Matura
Organisation, Kurse, Einstieg in Wien
KOST Wien („AusBildung bis 18“) + Jugendcoaching
Ausbildungspflicht/Unterstützung
Begleitung bei Abbruch, Neuorientierung, Maßnahmen
💬 FAQ
Was ist der häufigste Unterschied zwischen BHS und BMS?
BHS dauert typischerweise länger und endet mit Reife- und Diplomprüfung (Matura plus Berufsqualifikation). BMS/Fachschule ist meist kürzer und zielt stärker auf eine rasche Berufsausbildung ohne klassische Matura ab (mit späteren Aufstiegsmöglichkeiten je nach Weg).
Kann mein Kind nach der PTS noch in eine BMS oder BHS wechseln?
Ja, das ist möglich. Ob eine Aufnahmeprüfung nötig ist, hängt von Schulform, Noten/Leistungsniveau und den Aufnahmebedingungen der Schule ab. Klären Sie das direkt mit der Zielschule bzw. der Bildungsdirektion.
Wann darf man bei „Lehre mit Matura“ die Prüfungen machen?
Ein Teil der Prüfungen kann bereits während der Lehrzeit absolviert werden; die letzte Teilprüfung ist an Bedingungen geknüpft (u. a. nach Lehrabschluss und je nach Regelung). Details sind bundeslandspezifisch über die jeweilige Trägerorganisation geregelt.
Was, wenn wir nach der Pflichtschule noch keinen Platz (Schule/Lehrstelle) haben?
Dann sind AMS, Jugendcoaching und die Koordinierungsstelle „AusBildung bis 18“ die richtigen ersten Anlaufstellen. Dort bekommen Sie rasch Unterstützung, damit eine passende Anschlusslösung gefunden wird.
Gibt es Wege für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf?
Ja. Neben Unterstützungsangeboten (z. B. Jugendcoaching, AusbildungsFit) gibt es die integrative Berufsausbildung (verlängerte Lehrzeit oder Teilqualifizierung). Ziel ist eine realistische, passende Qualifikation mit Begleitung.
Quellen
Bundeskanzleramt / RIS – Schulpflichtgesetz 1985: Rechtsgrundlage zur Dauer der allgemeinen Schulpflicht (9 Schuljahre).
Bundesministerium für Bildung (BMB) – Ausbildungspflicht nach Erfüllen der Schulpflicht: Regeln zur Ausbildungspflicht bis 18 und anerkannte Bildungs-/Ausbildungswege.
BMB – Aufnahme in berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS): Aufnahmevoraussetzungen und Fälle, in denen eine Aufnahmeprüfung erforderlich ist.
BMB – Kontaktstellen in den Bildungsdirektionen: Offizielle Bildungsdirektionen je Bundesland als zentrale Anlaufstellen.
Wirtschaftskammer Österreich (WKO) – Lehre mit Matura: Modelle, Prüfungslogik und Trägerorganisationen je Bundesland (Stand Ende 2025).
oesterreich.gv.at – Schul- und Ausbildungsinfos: Überblick zu AHS/BMS sowie Unterstützungs- und Spezialwegen (z. B. Teilqualifizierung).
Sozialministeriumservice / NEBA: Unterstützungsangebote wie Jugendcoaching und AusbildungsFit.
BM für Arbeit/Wirtschaft – Integrative Berufsausbildung (§ 8b BAG): Informationen zu verlängerter Lehrzeit und Teilqualifizierung als Ausbildungsformen.
Alle Angaben ohne Gewähr – die Wahl der Bildung, Lehre, Lehre mit Matura, Schulform und Schule ist individuell – wähle für dich, dein Kind und dein Umfeld alle notwendigen Informationsangebote, besuche Bildungsmessen und triff eine überlegte Entscheidung! Wir übernehmen keine Haftung!
Klara Hoffmann informiert über aktuelle Entwicklungen und Trends in der Bildungswelt. Sie liefert fundierte News und Analysen zu den wichtigsten Themen der Bildungspolitik und Weiterbildungsmöglichkeiten.