Informatik: (K)ein Fach für Frauen? Chancen und Zahlen aus Österreich

Informatik ist kein „Männerfach“ – aber in Österreich sind Frauen in vielen Informatik-Ausbildungen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. An Hochschulen zeigt die Statistik für das Feld „Informatik und Kommunikationstechnologie“ im Studienjahr 2023/24 7.721 Frauen von 27.195 Studierenden (rund 28 %).

Gleichzeitig weist die Studierenden-Sozialerhebung für die Studiengruppe Informatik einen Frauenanteil von nur 22 % aus (mit langsamem Anstieg in den letzten Jahren). In berufsorientierten IT-Ausbildungen ist der Frauenanteil ebenfalls sehr niedrig: Der IKT-Statusreport nennt für die Ausbildungsfachrichtung Informatik und Kommunikationstechnologie einen Frauenanteil von 21,4 %.

Warum diese Lücke zählt, ist schnell erklärt: Informatik entscheidet heute mit, wie wir arbeiten, lernen, kommunizieren und sogar wie Behörden oder Medizin funktionieren. Wenn Frauen dort fehlen, fehlen Perspektiven in Teams, es fehlen Vorbilder – und es fehlen später auch gut bezahlte Karrierewege.

Die gute Nachricht: Wer heute in Österreich Informatik wählt, findet an Schulen, Unis und FHs deutlich mehr Einstiegswege als früher – und viele Bereiche sind für Quereinsteigerinnen, kreative Köpfe und „Nicht-Programmier-Profis“ offen.

BereichStand in ÖsterreichWas das bedeutet
Pflicht in der Sekundarstufe IDigitale Grundbildung ist als Pflichtgegenstand vorgesehen (mind. 1 Wochenstunde pro Klasse)Grundlagen für alle – damit Mädchen nicht „zufällig“ abgehängt werden, hängt viel von Unterrichtsqualität und Rollenbildern ab.
Studierende an Hochschulen (Feld IKT)Studienjahr 2023/24: 27.195 Studierende, davon 7.721 Frauen (≈ 28 %)Frauen sind sichtbar, aber klar in der Minderheit – besonders in klassischen Informatik-Schienen.
Studiengruppe InformatikFrauenanteil laut Sozialerhebung: 22 % (steigend; früher niedriger)Je nach Abgrenzung fällt der Anteil noch niedriger aus – daher kursieren unterschiedliche Prozentwerte.
Berufsorientierte IT-AusbildungenFrauenanteil in „Informatik & Kommunikationstechnologie“: 21,4 %Gerade dort, wo viele direkt in IT-Jobs wechseln, sind Frauen besonders selten.
Uni/FH insgesamtFrauenanteil bei Studierenden an Unis rund 54 %, an FHs ebenfalls rund 54 %Frauen studieren insgesamt sogar leicht öfter – die Lücke ist also stark fachbezogen, nicht „Studium generell“.

Was hinter dem „(K)ein Fach für Frauen?“ wirklich steckt

1) Das Problem ist selten Talent – sondern Bild von Informatik

Viele Mädchen erleben Informatik lange nur als „Programmieren am Bildschirm“ oder als Hobby von Nerds. Das ist ein schiefes Bild. Informatik ist auch: Probleme strukturieren, Systeme verstehen, kreativ Lösungen bauen, Daten sinnvoll nutzen, Sicherheit mitdenken, digitale Produkte gestalten und Teams koordinieren. Wer logisch denkt, gerne tüftelt, gut erklärt oder gestalten kann, bringt genau die Fähigkeiten mit, die in IT-Projekten fehlen. Dass trotzdem weniger Mädchen „Ja“ sagen, hat oft mit fehlenden Vorbildern, falschen Erwartungen und einer Unterrichtspraxis zu tun, die sich zu sehr auf Technik statt auf Sinn und Anwendung fokussiert.

2) Schule: Digitale Grundbildung ist Pflicht – aber Informatik-Feeling ist nicht garantiert

Österreich hat mit „Digitaler Grundbildung“ einen Pflichtgegenstand in der Sekundarstufe I verankert. Das ist ein wichtiger Schritt, weil damit alle Kinder – unabhängig von Elternhaus und Interessen – Grundkompetenzen lernen sollen. Entscheidend ist aber, wie diese Stunden gestaltet werden. Wenn „Digitale Grundbildung“ hauptsächlich Office, Präsentationen und Handy-Regeln bedeutet, entsteht kaum Begeisterung für Informatik. Wenn der Unterricht dagegen auch informatisches Denken (z. B. Muster erkennen, Algorithmen verstehen, kleine Automationen, Daten und Sicherheit) vermittelt, kann er für Mädchen ein Türöffner sein, weil er Barrieren früh abbaut.

3) Uni und FH: Frauen sind da – aber in Informatik-Schienen weiterhin Minderheit

Die Hochschulstatistik zeigt im Feld „Informatik und Kommunikationstechnologie“ für 2023/24 rund 28 Prozent Frauen. Gleichzeitig weist die Studierenden-Sozialerhebung für die Studiengruppe Informatik einen Frauenanteil von 22 Prozent aus und betont, dass dieser Anteil langsam steigt. Der Unterschied ist wichtig: Je nachdem, ob „IKT“ breiter gefasst ist (z. B. inklusive stärker kommunikationsnaher oder interdisziplinärer Studien) oder „Informatik“ enger (klassische Informatik-Studien), entstehen unterschiedliche Prozentwerte. Für die Praxis ist die Botschaft aber gleich: Frauen sind klar unterrepräsentiert – und jede zusätzliche Studentin ist statistisch gesehen ein echter Fortschritt.

4) Berufswege: Gerade dort, wo viele direkt in IT-Jobs gehen, ist der Frauenanteil besonders niedrig

Ein großer Teil der IT-Fachkräfte kommt aus berufsorientierten Schienen. Genau dort zeigt der IKT-Statusreport einen sehr niedrigen Frauenanteil in der Ausbildungsfachrichtung Informatik und Kommunikationstechnologie. Das bedeutet: Selbst wenn an Unis und FHs langsam mehr Frauen starten, bleibt die Pipeline in Richtung Arbeitsmarkt schmal, wenn berufsbildende Wege nicht attraktiver und sichtbarer werden. Für Schulen und Betriebe ist das ein klarer Hebel: bessere Berufsorientierung, Schnupperangebote, weibliche Role Models, Mentoring und eine Sprache, die nicht abschreckt.

5) Chancen für Frauen in der Informatik: Wo der Einstieg besonders gut gelingt

Viele Frauen starten besonders erfolgreich, wenn Informatik einen klaren Sinn hat. Dazu gehören Bereiche wie IT-Security, Data Analytics, Künstliche Intelligenz in Anwendungen, UX/UI und Produktentwicklung, Gesundheits-IT, EdTech, digitale Verwaltung, Nachhaltigkeits-IT (Energie, Mobilität) und „Human-centered“ Softwareentwicklung. Ein weiterer Einstieg ist über Schnittstellenrollen möglich: Requirements Engineering, Projektmanagement, QA/Testing, agile Rollen, technische Dokumentation oder Datenschutz. Von dort wechseln viele später in tiefer technische Rollen, weil sie bereits Domänenwissen und Teamroutine aufgebaut haben.

6) Was wirklich hilft: Drei Hebel, die Forschung und Praxis immer wieder bestätigen

Erstens: frühe, positive Erfahrungen ohne peinliche „Du kannst das nicht“-Momente. Zweitens: Sichtbarkeit von Frauen in IT – nicht nur als Ausnahme, sondern als Normalität. Drittens: Lernumgebungen, die Kooperation und Sinn betonen, statt nur Wettbewerb und „harter Code“. Genau deshalb sind internationale Initiativen wie der Girls in ICT Day relevant: Sie setzen öffentlich ein Signal, dass digitale Zukunft auch weiblich gedacht werden muss – und geben Schulen und Betrieben konkrete Anlässe für Workshops, Schnuppern und Mentoring.

FAQ

Ist Informatik in Österreich an Schulen ein Pflichtfach?

In der Sekundarstufe I ist „Digitale Grundbildung“ als Pflichtgegenstand vorgesehen, inklusive Mindeststunden. Ob daraus „echte Informatik-Begeisterung“ entsteht, hängt stark vom Unterrichtsschwerpunkt ab.

Wie hoch ist der Frauenanteil in Informatik-Studien in Österreich?

Je nach Abgrenzung unterscheiden sich die Werte. In der Hochschulstatistik liegt das Feld „Informatik und Kommunikationstechnologie“ 2023/24 bei rund 28 Prozent Frauen. Die Studierenden-Sozialerhebung nennt für die Studiengruppe Informatik 22 Prozent und beschreibt einen langsamen Anstieg.

Welche Informatik-Bereiche sind für den Einstieg besonders geeignet?

Häufig gute Einstiege sind IT-Sicherheit, Datenanalyse, UX/UI, Testing/Qualitätssicherung, Requirements Engineering und Projektrollen. Viele wechseln später in stärker technische Positionen.

Verdient man in Informatik wirklich besser?

Oft ja, weil IT-Fachkräfte stark nachgefragt sind. Das genaue Gehalt hängt aber stark von Spezialisierung, Region, Branche und Erfahrung ab.

Alle Angaben ohne Gewähr – bei inhaltlichen Ergänzungen, Vorschlägen, Expert:innen Meinungen, Tipps – gerne per Mail an uns wenden

Quellen

  • BMBWF – Digitale Grundbildung (Webseite): Offizielle Info zum Pflichtgegenstand „Digitale Grundbildung“ und Verweis auf Lehrplan im RIS. URL: https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/zrp/dibi/dgb.html
  • RIS – Lehrpläne AHS / Stundentafel (Stand 2024/2025): Enthält die Passage, dass Digitale Grundbildung mit mindestens einer Wochenstunde pro Klasse vorzusehen ist (schulautonome Bestimmungen). URL: https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Anlage=1%2Fsp&Gesetzesnummer=10008568
  • Statistik Austria – Studierende in Österreich 2023/24 (Tabelle/ODS): Zahlen zum Feld „Informatik und Kommunikationstechnologie“ (gesamt sowie Frauen/Männer). URL: https://www.statistik.at/fileadmin/pages/324/5_Studierende_in_Oesterreich_stud_23_24.ods
  • BMFWF/BMBWF – Studierenden-Sozialerhebung 2023 (SOLA, Kernbefunde): Frauenanteil in Informatik (22 %) und Trendangabe (Anstieg seit 2017/18). URL: https://www.bmfwf.gv.at/wissenschaft/leitthemen/soziale-dimension/sola.html
  • WKO – IKT-Statusreport 2024 (PDF): Enthält Auswertungen zu Bildung/IKT und den niedrigen Frauenanteil in der Ausbildungsfachrichtung Informatik und Kommunikationstechnologie (21,4 %). URL: https://www.wko.at/oe/information-consulting/unternehmensberatung-buchhaltung-informationstechnologie/ikt-statusreport-2024.pdf
  • BMBWF – Presseinfo Frauen und Mädchen in Wissenschaft (2025): Gesamt-Frauenanteile an öffentlichen Universitäten und Fachhochschulen (je rund 54 %). URL: https://www.bmb.gv.at/Ministerium/Presse/2025_0102_archiv/20250211.html
  • ITU – Girls in ICT Day (2026): Termin und Schwerpunkt der internationalen Initiative (Signalwirkung für Mädchen und IT). URL: https://www.itu.int/women-and-girls/girls-in-ict/
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