Nicht in Wien: Wo es 2026 die meisten Schüler mit Deutschdefizit gibt

Stand: Februar 2026

Wenn in Österreich über „Deutschdefizite“ bei Kindern gesprochen wird, ist damit in offiziellen Statistiken meist etwas Konkretes gemeint: Volksschulkinder, die dem Unterricht wegen zu geringer Deutschkenntnisse voraussichtlich nicht ohne zusätzliche Unterstützung folgen können. Diese Kinder bekommen einen „außerordentlichen“ Status und werden in Deutschförderklassen oder Deutschfördergruppen/-kursen unterstützt.

Eine aktuelle Auswertung (Schuljahr 2024/25) zeigt: Der höchste Anteil liegt nicht in Wien, sondern in mehreren Städten Oberösterreichs – allen voran Wels.

Deutschförderbedarf in Österreich – Übersicht

OrtAnteil Volksschulkinder mit Deutschförderbedarf (2024/25)Kurzinfo
Wels (OÖ)über 25 %höchster Anteil österreichweit
Traun (OÖ)22 %über Wien im Anteil
Linz (OÖ)22 %über Wien im Anteil
Wien20 %zum Vergleich
Steyr (OÖ)19 %knapp unter Wien
Salzburg (S)18 %Landeshauptstadt
Graz (Stmk)18 %Landeshauptstadt

Was 2026 beim Thema Deutschdefizit auffällt

Warum Oberösterreich im Ranking vorne liegt

Ein paar Punkte helfen, die Zahlen richtig einzuordnen:

  • „Die meisten“ kann zweierlei heißen: In Wels ist der Anteil besonders hoch. In absoluten Zahlen hat Wien trotzdem die meisten Kinder mit Deutschförderbedarf, weil die Stadt viel größer ist.
  • Volksschule steht im Fokus: Die Auswertung bezieht sich auf Volksschulkinder (und damit stark auf die ersten Schulstufen).
  • Stadt-Land-Unterschied ist deutlich: Im Schnitt ist der Anteil in Städten deutlich höher als am Land.

Weitere Städte mit auffälligen Werten

  • St. Pölten und Innsbruck: jeweils 16 %.
  • Villach und Bregenz: jeweils 13 %.
  • In weiteren Städten über 25.000 Einwohner:innen liegen die Werte grob im Bereich von etwa 10–15 %.

Was heißt „Deutschdefizit“ in diesen Zahlen?

In dieser Meldung bedeutet „Deutschdefizit“ nicht „schlecht in Deutsch“ im umgangssprachlichen Sinn, sondern Deutschförderbedarf im Sinne der Unterrichtssprache. Offiziell läuft das in der Praxis über diese Schritte:

  • Feststellung: Schulen nutzen das standardisierte Instrument MIKA-D, um den (außer-)ordentlichen Status festzulegen und die passende Deutschfördermaßnahme zuzuteilen.
  • Maßnahmen: Je nach Ergebnis erfolgt die Zuteilung zu Deutschförderklasse (intensiver) oder Deutschförderkurs (parallel zum Unterricht).
  • Regelmäßige Überprüfung: Bei Kindern im Fördermodell wird der Sprachstand verpflichtend in definierten Testzeiträumen überprüft; zusätzlich kann bei deutlichem Lernfortschritt auch außerhalb des Zeitraums getestet und umgestuft werden.
  • Begrenzung: Der außerordentliche Status ist zeitlich begrenzt (maximal vier Semester), sofern nicht früher ein Wechsel in den ordentlichen Status gelingt.

Wichtig: Anteil ist nicht gleich absolute Zahl

Für „wo sind es am meisten?“ lohnt sich ein zweiter Blick: Neben Prozentwerten sind auch absolute Zahlen relevant. In absoluten Zahlen liegt Wien unter den Städten klar vorne. In der Auswertung werden u. a. folgende Größenordnungen genannt:

  • Wien: rund 16.600 Volksschulkinder mit Deutschförderbedarf
  • Linz: knapp 1.900
  • Salzburg: etwa 1.000
  • Wels und Innsbruck: jeweils rund 700

Warum die Debatte gerade jetzt wieder Fahrt aufnimmt

Die Zahlen fallen in eine Phase, in der Österreich gleichzeitig über mehrere Schulbaustellen diskutiert:

  • Deutschförderung wird weiterentwickelt: Es gibt Anpassungen rund um MIKA-D (z. B. Ergänzungsskala) und angekündigte Weiterentwicklungen, um die Einstufung treffsicherer zu machen.
  • Mehr Ressourcen: Für die Deutschförderung wurden in den letzten Jahren zusätzliche Planstellen und Mittel angekündigt bzw. ausgebaut. Als Hintergrund nennt das Bildungsministerium einen deutlichen Anstieg der außerordentlichen Pflichtschüler:innen.

Und was hat das mit der Latein-Debatte zu tun?

Parallel zur Diskussion über Deutschförderung läuft eine Lehrplan-Debatte: Für AHS-Oberstufen werden ab 2027/28 Änderungen diskutiert, unter anderem mehr Fokus auf „Informatik und künstliche Intelligenz“ sowie neue Inhalte wie „Medien und Demokratie“. Im Gegenzug sollen Lateinstunden reduziert werden (von 12 auf 8 Stunden über vier Oberstufenjahre; häufig 2 statt 3 Wochenstunden pro Schulstufe).

Beides ist nicht dasselbe Thema – aber es zeigt, wie viele Erwartungen gleichzeitig an Schule gestellt werden: Grundkompetenzen (Unterrichtssprache) stärken, Lehrpläne modernisieren und Zeit im Stundenplan sinnvoll verteilen.

Was Eltern konkret tun können

  • Früh nachfragen: Wenn du unsicher bist, frag in der Schule nach, wie die Deutschförderung konkret organisiert ist (Kurs/Gruppe/Klasse) und welche Ziele realistisch sind.
  • Alltagssprache stärken: Tägliches Vorlesen, gemeinsames Sprechen über den Tag, Bibliothek, Hörbücher – kurze, regelmäßige Routinen bringen oft mehr als „einmal pro Woche viel“.
  • Mit Lehrpersonen abstimmen: Lass dir konkrete Übungsfelder nennen (Wortschatz, Satzbau, Verstehen von Aufgabenstellungen).
  • Druck rausnehmen: Förderung wirkt am besten, wenn Kinder sich trauen zu sprechen – auch mit Fehlern.

FAQ

Was bedeutet „Deutschförderbedarf“ genau?

Damit ist gemeint, dass ein Kind dem Unterricht ohne zusätzliche Unterstützung in der Unterrichtssprache Deutsch voraussichtlich nicht ausreichend folgen kann und daher eine Deutschfördermaßnahme erhält.

Wie wird das festgestellt?

Die Feststellung erfolgt in der Regel mit dem standardisierten Instrument MIKA-D. Auf dieser Basis wird der (außer-)ordentliche Status festgelegt und entschieden, ob ein Deutschförderkurs oder eine Deutschförderklasse vorgesehen ist.

Deutschförderklasse oder Deutschförderkurs – was ist der Unterschied?

Vereinfacht: Die Deutschförderklasse ist die intensivere Form, der Deutschförderkurs läuft eher begleitend/parallel. Welche Maßnahme vorgesehen ist, hängt vom Ergebnis der Sprachstandsfeststellung ab.

Heißt Deutschförderbedarf automatisch „nicht in Österreich geboren“?

Nein. Gerade in Ballungsräumen gibt es viele Kinder mit Förderbedarf, die in Österreich geboren sind und bereits Kindergarten besucht haben. Entscheidend ist die Unterrichtssprache im Schulalltag, nicht der Geburtsort.

Warum kann eine Stadt einen höheren Anteil haben als Wien?

Wien hat im Schnitt hohe Werte, aber Anteile unterscheiden sich je nach Stadtstruktur und Einzugsgebieten stark. In der aktuellen Auswertung liegen mehrere Städte in Oberösterreich im Anteil über Wien.

Wie lange dauert Deutschförderung?

Der außerordentliche Status und die dazugehörigen Maßnahmen sind grundsätzlich zeitlich begrenzt (maximal vier Semester), können aber je nach Lernfortschritt auch früher enden, wenn ein Wechsel in den ordentlichen Status möglich ist.

Quellen

  • Österreichischer Rundfunk. (2026, 5. Februar). Wels: Höchster Deutschförderbedarf Österreichs. ORF Oberösterreich. https://ooe.orf.at/stories/3340677/ – Kurzbeschreibung: APA/Statistik-Austria-Auswertung zu Anteilen und absoluten Zahlen, inklusive Einordnung und MIKA-D-Bezug.
  • APA / News.at. (2026, 5. Februar). Viele Schüler mit Deutschdefizit in Oberösterreichs Städten. news.at. https://www.news.at/politik/viele-schuler-mit-deutschdefizit-in-oberosterreichs-stadten – Kurzbeschreibung: Zusammenfassung der Auswertung mit Stadtvergleich (u. a. Wels, Linz, Traun) und Stadt-Land-Einordnung.
  • Bundesministerium für Bildung (BMB). (o. d.). Sprachstandsfeststellung mit MIKA-D (Messinstrument zur Kompetenzanalyse – Deutsch). Abgerufen am 5. Februar 2026, von https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/schulpraxis/ba/sprabi/mika_d.html – Kurzbeschreibung: Offizielle Definition, wofür MIKA-D verwendet wird und wie Status/Deutschförderung zugeteilt werden.
  • Bundesministerium für Bildung (BMB). (2025, 11. April). Startschuss für die Aufholjagd: Im nächsten Schuljahr mehr als doppelt so viele Ressourcen für die Deutschförderung. https://www.bmb.gv.at/Ministerium/Presse/20250411.html – Kurzbeschreibung: Bundesweite Kennzahlen zum außerordentlichen Status an Pflichtschulen und Ausbau der Ressourcen.
  • Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF). (2025, 27. Februar). Rundschreiben Nr. 8/2025: Standardisierte Ergänzungsskala zu MIKA-D [PDF]. https://rundschreiben.bmbwf.gv.at/media/2025_08.pdf – Kurzbeschreibung: Offizielle Ergänzungsskala, um Grenzfälle treffsicherer zu beurteilen.
  • Bundeskanzleramt. (2025, 4. November). 29/14 MRV: Weiterentwicklung der Deutschförderung [PDF]. https://www.bundeskanzleramt.gv.at/dam/jcr:8f7e1023-b546-4317-aa39-796b6ad2a7b9/29_14_mrv.pdf – Kurzbeschreibung: Überblick zu Deutschfördermodell, Stundenumfang und Weiterentwicklungen.
  • Österreichischer Rundfunk. (2026, 29. Jänner). Neue Lehrpläne: Weniger Latein und mehr KI geplant. ORF.at. https://orf.at/stories/3418609/ – Kurzbeschreibung: Bericht zur geplanten Lehrplanentwicklung ab 2027/28 (u. a. Lateinreduktion, KI/Medien/Demokratie).
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