Bewerbung für eine Lehrstelle: Lebenslauf, Anschreiben und Vorstellungsgespräch

Aufgeklappte Bewerbungsmappe auf einem Schreibtisch mit Lebenslauf und Anschreiben sowie einem Stift daneben.
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Wer sich zum ersten Mal um eine Lehrstelle bewirbt, steht vor einer Aufgabe, die viele unterschätzen: Eine Bewerbung ist mehr als das Ausfüllen eines Formulars. Sie ist der erste Eindruck, den ein Betrieb von einer Person bekommt – und dieser zählt. Besonders im Handwerk, im Handel, in der Gastronomie und in technischen Berufen suchen viele Unternehmen in Österreich Jahr für Jahr motivierte Lehrstellenanwärterinnen und -anwärter.

Eine gut vorbereitete Bewerbung macht dabei einen deutlichen Unterschied. Das gilt für den Lebenslauf genauso wie für das Anschreiben und das Vorstellungsgespräch. Wer sich früh genug vorbereitet und die häufigsten Fehler kennt, hat bessere Chancen, die gewünschte Ausbildungsstelle zu bekommen.

Diese Checkliste führt Schritt für Schritt durch alle drei Phasen der Bewerbung. Du kannst sie als Vorbereitung nutzen, bevor du deine Unterlagen abschickst oder zum Vorstellungsgespräch gehst.

Was gehört in einen guten Lebenslauf für eine Lehrstelle?

Der Lebenslauf ist das Herzstück jeder Bewerbung. Er sollte klar gegliedert, übersichtlich und ehrlich sein. Beim ersten Lehrstellengesuch fehlt natürlich noch Berufserfahrung – das ist völlig normal. Wichtig ist, das Vorhandene gut darzustellen.

Checkliste: Lebenslauf

  • Vollständiger Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse angegeben
  • Geburtsdatum eingetragen
  • Aktuelles, seriöses Bewerbungsfoto (kein Urlaubsfoto, kein Smartphone-Selfie)
  • Schulausbildung vollständig und mit Zeitangaben aufgelistet (von der aktuellen oder zuletzt besuchten Schule rückwärts)
  • Abschlussnoten oder letztes Zeugnis kurz erwähnt oder beigelegt
  • Praktika, Ferienjobs oder ehrenamtliche Tätigkeiten aufgeführt
  • Besondere Kenntnisse angegeben: Sprachen, EDV-Kenntnisse, Führerschein
  • Hobbys und Interessen, die zum Beruf passen, kurz genannt
  • Lebenslauf auf maximal eine bis zwei Seiten begrenzt
  • Kein Tipp-, Rechtschreib- oder Formatierungsfehler
  • Sauber gestaltet: gut lesbare Schrift, klare Struktur, ausreichend Weißraum
  • Datum und Unterschrift am Ende

In Österreich ist es üblich, den Lebenslauf tabellarisch aufzubauen und das Foto oben rechts einzufügen. Viele Schulen, Berufsinformationszentren oder das AMS bieten Vorlagen an, die als Ausgangspunkt gut geeignet sind.

Wie schreibt man ein überzeugendes Anschreiben?

Das Anschreiben – in Österreich auch oft Motivationsschreiben genannt – ist deine Möglichkeit, zu erklären, warum du dich für genau diesen Betrieb und genau diesen Beruf interessierst. Es soll persönlich, konkret und auf das jeweilige Unternehmen abgestimmt sein.

Ein häufiger Fehler ist das pauschale Serienschreiben: Wer denselben Text an zwanzig Betriebe schickt, ohne ihn anzupassen, macht das oft unbewusst erkennbar. Personalverantwortliche merken das schnell.

Checkliste: Anschreiben

  • Richtiger Firmenname und korrekte Adresse des Betriebs
  • Persönliche Anrede, wenn möglich mit Name der Ansprechperson (z. B. „Sehr geehrte Frau Müller“)
  • Klare Angabe, für welche Lehrstelle du dich bewirbst
  • Begründung, warum du dich für diesen Beruf interessierst – konkret und ehrlich
  • Begründung, warum du dich für diesen Betrieb entschieden hast (z. B. Produkte, Ruf, Standort, Ausbildungsqualität)
  • Kurze Beschreibung deiner Stärken, die zum Beruf passen
  • Hinweis auf Schulabschluss oder absolvierte Praktika, falls relevant
  • Kein bloßes Wiederholen des Lebenslaufs
  • Abschlusssatz mit Bitte um ein Vorstellungsgespräch
  • Umfang: maximal eine Seite
  • Datum, Ort und Unterschrift
  • Auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft – idealerweise von einer zweiten Person gegengelesen

Tipp: Recherchiere den Betrieb vorher kurz. Die Unternehmenswebsite, Google-Bewertungen oder Bekannte, die dort arbeiten, können dir helfen, einen persönlichen und glaubwürdigen Bezug herzustellen.

Wie bereite ich mich auf das Vorstellungsgespräch vor?

Das Gespräch ist die letzte und oft entscheidende Phase der Bewerbung. Wer gut vorbereitet erscheint, wirkt reif, interessiert und verlässlich – Eigenschaften, die Lehrbetriebe besonders schätzen.

Viele Jugendliche sind beim ersten Vorstellungsgespräch nervös. Das ist verständlich und wird von den meisten Betrieben auch erwartet. Entscheidend ist, trotzdem ruhig und vorbereitet zu wirken.

Checkliste: Vorbereitung vor dem Gespräch

  • Ort und genaue Adresse des Betriebs recherchiert
  • Anfahrtsweg ausprobiert oder geplant – ausreichend Puffer eingeplant
  • Name der Ansprechperson notiert
  • Informationen über den Betrieb, die Branche und das Berufsfeld gelesen
  • Häufige Fragen im Gespräch geübt: „Warum dieser Beruf?“, „Was sind deine Stärken und Schwächen?“, „Wo siehst du dich in fünf Jahren?“
  • Gepflegte, dem Beruf angemessene Kleidung vorbereitet
  • Bewerbungsmappe mit Originalunterlagen mitgenommen
  • Handy auf lautlos gestellt

Checkliste: Verhalten im Gespräch

  • Pünktlich erschienen – mindestens fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin
  • Freundlich und höflich gegenüber allen Personen im Betrieb, nicht nur der Interviewperson
  • Fester Händedruck zur Begrüßung
  • Aufrecht sitzen, Blickkontakt halten
  • Klar und verständlich sprechen – nicht zu leise, nicht zu schnell
  • Fragen ehrlich beantworten, auch wenn man etwas nicht weiß
  • Eigene Fragen zum Betrieb, zur Ausbildung oder zum Alltag mitgebracht
  • Keine negativen Aussagen über frühere Schulen oder Lehrkräfte
  • Bedankung für das Gespräch am Ende

Was gehört in eine vollständige Bewerbungsmappe?

Ob digital oder auf Papier: Die Bewerbungsmappe sollte vollständig und ordentlich zusammengestellt sein. Viele Betriebe in Österreich akzeptieren heute beide Varianten – manche bevorzugen ausdrücklich digitale Bewerbungen per E-Mail oder über Online-Formulare.

  • Anschreiben (als erstes Dokument)
  • Lebenslauf mit Foto
  • Kopien aller relevanten Schulzeugnisse
  • Kopien von Praktikumszeugnissen oder Empfehlungsschreiben, falls vorhanden
  • Bei digitaler Bewerbung: alle Dokumente als PDF zusammengefasst oder klar benannt
  • Bei Papierbewerbung: in einer sauberen Mappe, nicht geheftet
  • Dateigröße bei E-Mail-Bewerbungen beachten – typischerweise unter 5 MB
  • Betreffzeile der E-Mail klar formuliert: z. B. „Bewerbung als Lehrling – Einzelhandelskaufmann/Einzelhandelskauffrau“

Wann sollte man sich bewerben?

In Österreich beginnen viele Lehrverhältnisse zum 1. September. Wer sich für das Lehrjahr 2027 interessiert, sollte spätestens ab Herbst 2026 mit der aktiven Suche beginnen und Bewerbungen im Laufe des Winters verschicken. Manche Betriebe vergeben Lehrstellen deutlich früher – manchmal schon neun bis zwölf Monate vor Beginn.

Aktuelle offene Lehrstellen in der Steiermark und österreichweit sind über das AMS, die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) oder direkt auf den Websites der Betriebe zu finden. Auch Schulen und Berufsberatungsstellen können dabei unterstützen.

Häufige Fragen zur Lehrstellenbewerbung

Muss ich bei einer Bewerbung per E-Mail trotzdem ein Anschreiben verfassen?

Ja. Auch bei digitalen Bewerbungen gehört ein Anschreiben dazu. Es kann entweder als Anhang (als PDF) oder direkt als Text der E-Mail formuliert werden. Viele Betriebe erwarten beides: einen kurzen, persönlichen E-Mail-Text und ein formelles Anschreiben im Anhang.

Was mache ich, wenn ich noch keine Praktika gemacht habe?

Das ist beim ersten Lehrstellengesuch häufig der Fall und kein Nachteil. Stattdessen kannst du Hobbys, Vereinstätigkeiten, Schulprojekte oder familiäre Aufgaben erwähnen, die relevante Eigenschaften zeigen – etwa Teamfähigkeit, handwerkliches Geschick oder Verlässlichkeit.

Wie viele Betriebe sollte ich gleichzeitig anschreiben?

Es gibt keine festgelegte Zahl, aber mehrere parallele Bewerbungen sind sinnvoll und üblich. Wichtig ist, dass jede Bewerbung individuell auf den jeweiligen Betrieb abgestimmt ist. Zehn gut vorbereitete Bewerbungen sind wirkungsvoller als dreißig identische Serienbriefe.

Darf ich beim Vorstellungsgespräch eigene Fragen stellen?

Ja, und es wird sogar erwartet. Eigene Fragen zeigen Interesse und Eigeninitiative. Gute Fragen könnten zum Beispiel sein: Wie sieht ein typischer Ausbildungstag aus? Gibt es Möglichkeiten zur Weiterbildung nach der Lehre? Wie viele Lehrlinge bildet der Betrieb aktuell aus?

Was tue ich, wenn ich nach dem Gespräch keine Rückmeldung erhalte?

Es ist völlig in Ordnung, nach ein bis zwei Wochen kurz telefonisch oder per E-Mail nachzufragen. Das zeigt Interesse und Eigeninitiative – und ist in keiner Weise aufdringlich. Wichtig ist dabei ein freundlicher, sachlicher Ton.

Gibt es Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Lehrstellenbewerbung?

Ja. In der Steiermark gibt es zahlreiche Anlaufstellen: das AMS Jugendliche, die Lehrstellenbörse der Wirtschaftskammer, Schulberatungslehrkräfte sowie regionale Bildungs- und Berufsberatungsstellen. Viele davon bieten kostenlose Beratungsgespräche, Bewerbungstrainings und Unterlagencheck an.

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